EQS-News: China loading. (deutsch)
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EQS-News: mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG / Schlagwort(e): Sonstiges
China loading.
15.04.2026 / 09:00 CET/CEST
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.
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China loading.
Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb
Wertpapierhandelsbank AG
Zu den tagesaktuellen Entwicklungen im geostrategischen Monopoly können wir
in einem monatlichen Standpunkt kaum noch seriös Stellung nehmen. Ebenso
wenig zu den erratischen Reaktionen der Kapitalmärkte. Manches davon riecht
inzwischen verdächtig nach gezielter politischer und wirtschaftlicher
Manipulation, wenn man sich die Meldungen über Transaktionen im Vorfeld
entscheidender Verlautbarungen aus dem Weißen Haus ansieht.
Uns interessiert deshalb etwas anderes. Etwas, das sich seit Jahren aufbaut
und durch die aktuellen Ereignisse nur noch beschleunigt wird: Chinas
wachsendes Gewicht. Der Economist brachte dazu jüngst ein bemerkenswertes
Titelbild: ein lächelnder Xi Jinping, daneben ein unscharfer, offenbar
schreiender POTUS. Darüber der Satz: "Never interrupt your enemy when he's
making a mistake." Der dazugehörige Text trug den Titel: "Donald Trump is
the war's biggest loser".
Mit dem amerikanischen Fehlerkatalog wollen wir uns hier nicht weiter
aufhalten, sondern den Blick Richtung Sonnenaufgang werfen. Nach China.
Es ist übrigens auch für uns das erste Mal, dass wir uns näher mit
Fünfjahresplänen beschäftigen. Wir sind keine Asienexperten und sicher auch
keine Anhänger chinesischer Governance oder Staatsform. Doch es geht um
Strategie.
China steht gerade zwischen zwei Planungsperioden. Der 14. Fünfjahresplan
läuft aus, der 15. für die Jahre 2026 bis 2030 wurde im März offiziell
verabschiedet. Und ja: Es lohnt sich, da genauer hinzusehen.
Der neue Plan steht für eine Neuausrichtung. Weg vom bloßen Mengenwachstum,
hin zu einer "qualitativ hochwertigen Entwicklung". Das klingt zunächst
technokratisch. Ist aber machtpolitisch gemeint.
* Technologische Autarkie: China will in Schlüsseltechnologien wie
Halbleitern und KI unabhängiger werden und die eigene Innovationskraft
ausbauen.
* Grüne Transformation: Der Aufbau eines neuen Energiesystems soll sauberer,
kohlenstoffärmer und zugleich belastbarer werden.
* Wirtschaftliche Sicherheit: Resilienz von Lieferketten und nationale
Sicherheit stehen höher im Kurs als kurzfristige Wachstumsraten.
* Demografischer Wandel: Die alternde Bevölkerung wird nicht länger
verdrängt, sondern mit Reformen beantwortet, etwa über eine schrittweise
Anhebung des Rentenalters bis 2030.
(Quelle: International Institute for Strategic Studies, IISS)
Herausgreifen wollen wir den Punkt grüne Transformation, weil hier der
eigentliche industrielle Kern liegt. Für China ist das kein Öko-Projekt,
kein moralischer Überbau und kein PR-Baustein. Es ist knallharte
Industriestrategie. Vier Punkte sind entscheidend:
Der "Doppel-Kohlenstoff"-Pfad (Dual Carbon Goals)
China arbeitet mit zwei festen Daten: Emissionshöhepunkt vor 2030,
Klimaneutralität bis 2060. Entscheidend ist aber das Wie. Der Kohleanteil
soll sinken, aber nicht um den Preis von Blackouts. Kohlekraft bleibt
deshalb Reserve, die hochgefahren wird, wenn Wind und Sonne nicht reichen
oder das Netz unter Druck gerät. Die Logik lautet: keine Abschaltung ohne
Ersatz. Deshalb baut China weiterhin Kohlekapazitäten aus - über 200 GW sind
derzeit im Bau. Nicht schön, aber systemisch gedacht.
Dominanz bei den "New Three"
China will die Marktführerschaft bei Elektrofahrzeugen,
Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaik. Und zwar nicht nur im eigenen
Markt. Ziel ist Dominanz entlang globaler Lieferketten. Wer dort vorne ist,
liefert nicht nur Produkte. Er setzt Standards, diktiert Preise und
verschiebt Macht.
Umbau des Energiesystems
China baut Wind- und Solarparks in einem Tempo aus, von dem Europa
allenfalls Pressemitteilungen kennt. Vor allem in der Gobi und im Westen des
Landes entstehen enorme Kapazitäten. Parallel dazu fließen Milliarden in
Speicher, Pumpspeicher und Netze. Das Ziel ist klar: Erneuerbare nicht nur
zubauen, sondern systemfähig machen. China installiert inzwischen mehr Wind-
und Solarkapazität als der Rest der Welt zusammen. Das ist keine grüne
Folklore mehr, das ist industrielle Realität.
Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft
Auch das gehört zur Strategie. "Grün" heißt in China eben nicht nur weniger
CO2, sondern auch weniger Rohstoffabhängigkeit. Batterierecycling,
Rückgewinnung von Industriemetallen, Effizienzstandards für Stahl, Zement
und Chemie: Das ist Rohstoffpolitik unter grünem Etikett. Oder anders
gesagt: Wer die Kreisläufe kontrolliert, kontrolliert morgen die Kosten.
Wer nach Shanghai fährt, sieht schnell, wohin die Reise geht. Dort sind
inzwischen rund 75 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge elektrisch.
Natürlich bleibt die chinesische Wirtschaft in weiten Teilen eine
Drecksschleuder. Niemand muss sich da Illusionen machen. Aber das Land
bewegt sich in eine Richtung, die wirtschaftlich zukunftsfähig ist.
Und dann reicht ein Blick nach Berlin. Schauen Sie sich die Ziele der
amtierenden Bundesregierung und dieser Ministerin Reiche an. Merken Sie
selbst. Hierzulande steckt man weiter fest in Lobbyismus,
Besitzstandswahrung und den Dogmen vergangener Jahrzehnte. "Lang lebe der
Verbrenner" - so klingt das politische Unterbewusstsein.
Besonders deutlich wird der Unterschied beim Netzausbau. China baut
Ultra-Hochspannungsleitungen. Strom wird über Tausende Kilometer von den
Solar- und Windregionen im Westen zu den Industriezentren an der Ostküste
transportiert. Parallel entstehen gigantische Speichersysteme, damit die
berüchtigten Dunkelflauten nicht dauerhaft durch Kohle abgefedert werden
müssen. Dort denkt man das Energiesystem als Ganzes. Bei uns denkt jeder
erst einmal an seinen Zuständigkeitsbereich.
Klar ist auch: China wird von den aktuellen Blockaden rund um die Straße von
Hormus nicht unberührt bleiben. Als wichtigster Abnehmer iranischen Öls
trifft jede Störung dort auch Peking. Die Chinesen nahmen zuletzt gut 80
Prozent der iranischen Förderung ab. Wenn Washington die Meerenge nun selbst
blockieren will, dann trifft das Iran und China zugleich.
Nur: So schnell geht das alles nicht auf. China hat vorgesorgt. Nach
Schätzungen des Oxford Institute for Energy Studies liegen die chinesischen
Lagerbestände bei etwa 1,1 bis 1,5 Milliarden Barrel. Das dürfte für 110 bis
140 Tage reichen. Europa liegt bei den Reserven in ähnlichen
Größenordnungen.
Heißt übersetzt: Diese Blockade braucht Zeit, um überhaupt Wirkung zu
entfalten - falls sie das je im gewünschten Maß tut. Bis dahin dürften die
Iraner weiter ihre Nachbarn attackieren, während die USA im Nahen Osten
immer weniger als Ordnungsmacht wahrgenommen werden. Mikko Huotari von
Merics bringt es auf den Punkt: "Trump zieht die Länder am Golf in einen
unabgesprochenen Krieg hinein, der ihr eigenes Geschäftsmodell gefährdet."
Genau daraus entsteht die Machtverschiebung. Wo das amerikanische
Schutzversprechen verblasst, wächst Chinas Raum. Und Peking denkt längst
weiter. Taiwans Opposition wird bereits mit wirtschaftlichen Angeboten
umworben - politisches Wohlverhalten natürlich vorausgesetzt. Auch in Taipeh
wird man sich inzwischen fragen, wie belastbar die Schutzversprechen aus
Washington wirklich noch sind.
Das Ganze läuft zudem auf einen verschärften Kampf um Rohstoffe hinaus.
https://www.bondguide.de/topnews/mwb-kapitalmarkt-standpunkt-commodities-energy-loading-willkommen-in-der-neuen-weltordnung/
So will China im Mai den Export von Schwefelsäure stoppen. Ein Detail?
Keineswegs. Schwefelsäure wird für Dünger, Kupferproduktion,
Elektrofahrzeuge, Halbleiter und die Pharmaproduktion gebraucht. Wer an so
einer Stelle dreht, bewegt Preise weltweit.
Europa ist in dieser Krise nicht deshalb besonders verwundbar, weil
plötzlich physisch nichts mehr aus Hormus käme. Das greift zu kurz. Die
eigentliche Schwachstelle liegt bei Preisen, Importabhängigkeiten,
LNG-Kosten, Transportketten und Versicherungsprämien. Anders gesagt: Nicht
der Tank ist das erste Problem, sondern die Rechnung. Europas Verwundbarkeit
ist damit vor allem markt-, wohlstands- und wettbewerbsbezogen.
Deutschland steht dafür exemplarisch. Beim Stromsystem wurde sichtbar
aufgeholt; Erneuerbare deckten 2025 bereits gut 55 Prozent des Strombedarfs.
Das ist realer Fortschritt, aber eben nur ein Teil der Wahrheit.
Stromfortschritt ist noch keine Gesamtenergiesouveränität. Deutschland
bleibt bei Öl, Gas, Industrieprozessen und Preisweitergabe verletzlich. Ein
globaler Energieschock trifft das Land daher weniger als Versorgungskollaps,
sondern als Wachstums-, Wohlstands- und Vertrauensproblem.
Genau deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf Habeck. Der strategische Kern
seiner Linie war nicht falsch: Mehr heimische erneuerbare Energie senkt
geopolitische Abhängigkeit. Nur zeigt 2026 eben auch, wie weit der Weg noch
ist. Wer beim Strom vorankommt, ist als Volkswirtschaft noch lange nicht
frei.
Und dann kommt Berlin im Jahr 2026. Während China technokratisch puffert und
die USA den Schock politisch an der Zapfsäule bezahlen, wirkt Deutschlands
Regierung wie eine Fusion aus Kabarett und Trauerspiel. Klingbeil will
entlasten und eingreifen, Reiche blockt ab und erklärt zentrale Vorschläge
für teuer oder ineffektiv. Herausgekommen ist ein fauler Kompromiss: eine
zweimonatige Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent
pro Liter, Volumen etwa 1,6 Milliarden Euro. Gegenfinanziert werden soll das
nicht klassisch aus dem Haushalt, sondern über Maßnahmen gegen Ölkonzerne
beziehungsweise das Abschöpfen überhöhter Gewinne. Hinzu kommen die
Möglichkeit eines steuer- und abgabenfreien Einmalbonus von 1.000 Euro,
finanziert über eine höhere Tabaksteuer, sowie die Aussicht auf eine
Einkommensteuerreform ab Januar 2027. Das alles ist nicht nichts. Aber
stellen Sie sich das Geheule vor, hätte die Ampel das zu verantworten
gehabt.
Fast bezeichnender noch ist, was parallel passiert. Statt die Krise als
Moment der Verdichtung zu begreifen, verliert sich Berlin im Takt von
Boulevard, Empörungsreflex und täglicher Geräuschproduktion. Walgesänge im
Boulevard scheinen wichtiger zu sein als die schlichte Frage, wie
Deutschland Energie, Industrie und Wachstum wieder belastbar organisiert. So
entsteht das Bild einer Regierung, die dauernd sendet, aber nur selten
steuert.
Die bittere Pointe: Deutschland hat energiewirtschaftlich Fortschritte
gemacht, politisch aber noch keine Antwort gefunden, die dazu passt. Das
Land ist nicht mehr so abhängig wie früher, aber noch lange nicht robust.
Und die große Koalition wirkt schon vor der eigentlichen Bewährungsprobe
genauso gestrandet wie Timmy. Und der tut uns leid.
Zu mwb:
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