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Altersvorsorge loading.
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EQS-News: mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG / Schlagwort(e): Sonstiges
Altersvorsorge loading.
10.06.2026 / 09:00 CET/CEST
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Altersvorsorge loading.
Kapitalmarkt-Standpunkt von Kai Jordan, Vorstand der mwb
Wertpapierhandelsbank AG
Endlich ist es beschlossen. Am 1. Januar 2027 wird das Altersvorsorgedepot
eingeführt. Der Begriff Riester-Rente war griffiger. Aber von dieser
profitiert hat der potenzielle Rentner kaum. Grundsätzlich freut sich die
Finanzindustrie. Möglich sind künftig bis zu 1.140 Euro staatliche Förderung
für ein Wertpapierprodukt. Private Altersvorsorge verschiebt sich damit
erstmals systematisch von der klassischen Versicherungslogik hin zur
effektiven Kapitalanlage mit Depotstruktur und Fondsabwicklung. Das Besteck
liegt auf dem Tisch. Den Asset-Managern und Fintechs wird der Privatanleger
serviert. Denn der eigentliche Markt beginnt vor dem Marktstart.
Aber die relevante Frage bleibt unbeantwortet. Die öffentliche Debatte dreht
sich fast ausschließlich um Förderbeiträge und Anlegernutzen. Wer baut die
Infrastruktur? Wer hat dafür wirklich die Kompetenz und liefert nicht nur
Lippenbekenntnisse, weil jeder etwas vom großen Kuchen abbekommen möchte?
Der Staat bietet hier nichts. Kann er auch nicht. Zertifizierung, Depot,
Technik und Kundenservice müssen also vom Markt organisiert werden.
Gebührenobergrenzen von 1,0 beziehungsweise 1,5 Prozent p.a. machen
skalierbare und automatisierte Prozesse zur Pflicht. Das darf nicht
unterschätzt werden.
Wer 2027 operativ bereit sein will, muss heute entscheiden. Das
Bundeszentralamt für Steuern muss jeden Anbieter und jedes Produkt formal
zertifizieren - ein Prozess ohne erprobte Praxis, weil das Produkt neu ist.
Parallel erfordern Erlaubniserweiterungen für Finanzportfolioverwaltung und
Verwahrung BaFin-Anträge, Eignungsnachweise und angepasste Governance -
realistisch viele Monate Vorlauf. Wer früh bereit ist, besetzt eine
Infrastrukturrolle, die sich danach kaum neu verteilt - und schafft eine
Basis, die über das Altersvorsorgedepot hinausträgt: für betriebliche
Altersvorsorge und Mitarbeiterbeteiligung.
Die Attraktivität des Geschäfts liegt für die Anbieter auf der Hand. Es
handelt sich um planbare, wiederkehrende Sparströme. Auf einen jährlichen
Eigenbeitrag von bis zu 1.800 Euro zahlt der Staat eine Grundzulage von
maximal 540 Euro - Familien mit zwei Kindern kommen auf bis zu 1.140 Euro
staatliche Förderung pro Jahr. Der maximale Eigenbeitrag liegt bei 6.840
Euro jährlich. Diese Mechanik schafft dauerhafte Einzahlungsroutinen mit
regelmäßigem Orderflow durch Neuanlage und steuerneutrale Umschichtungen.
Das Volumen wächst mit jedem Sparjahr.
Die Wertschöpfung liegt hinter dem Produkt, nicht davor. Es bricht mit der
reinen Versicherungslogik der alten Riester-Welt. Gerade das macht es für
Anbieter interessanter. Es ist eben ein Wertpapierprodukt mit Depotstruktur
und Kapitalmarktabwicklung. Zwischen Anleger und Produkt liegt eine komplexe
operative Kette: Depotführung, Orderausführung, Rebalancing,
Zulagenmanagement beim Bundeszentralamt für Steuern, Steuerreporting und
Kundengeldverwaltung.
Also alles klar? Mitnichten. Wir wären nicht in Deutschland, wenn es nicht
schon vor dem Start heiße Diskussionen gäbe. Der Zeitplan ist zu knapp, die
Abbildung der Steuertöpfe hochkomplex. Das staatlich organisierte
Standarddepot erfreut sich an der Kritik der Wettbewerbsverzerrung, da der
Staat hier als Schiedsrichter (Aufseher) und Marktteilnehmer (Spieler)
auftritt. Überhaupt ist derzeit vollkommen unklar, wer das eigentlich
verwalten soll. Im Gespräch sind Institutionen wie die Deutsche Bundesbank,
der Kernenergie-Fonds (Kenfo), die Deutsche Rentenversicherung oder die KfW
- das Bundesfinanzministerium verhandelt hierzu noch. Lasst Euch Zeit, ist
ja noch lang hin bis Silvester.
Immerhin empfehlen die Verbraucherschützer, auf das staatliche
Standardprodukt zu warten.
Und das könnte noch dauern. Gleichwohl ist das Ganze ein wichtiger Schritt
in die richtige Richtung. Und das kann man weiß Gott nicht von allen
Aktionen der GroKo behaupten.
Für manchen Anbieter könnte es auch sinnig sein, sich das Ganze gar nicht
anzutun, sondern auf White-Label-Infrastrukturanbieter zurückzugreifen.
Diese liefern den Maschinenraum und können diese Kette für mehrere
Produktanbieter gleichzeitig betreiben - ohne eigenen Endkundenvertrieb. So
sie denn wirklich pünktlich fertig sind.
Für Anbieter wird nicht nur das Produkt entscheidend, sondern die
Infrastruktur dahinter. Und da schafft der Gesetzgeber ambitionierte
Herausforderungen. Wie sollte es auch anders sein?
Zu mwb:
Die mwb fairtrade Wertpapierhandelsbank AG ist ein von der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zugelassener Wertpapierdienstleister
mit Niederlassungen in Gräfelfing bei München, Hamburg, Hannover, Frankfurt
und Berlin. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet. 1999 erfolgte der
Börsengang. Heute ist die mwb-Aktie (ISIN DE000A3EYLC7, WKN A3EYLC) an der
Börse München im Segment m:access notiert wie auch im Freiverkehr an den
Börsen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt (Basic Board), Hamburg und Stuttgart.
Unsere Dienstleistungen umfassen Emissionsberatung & Listings,
Zahlstellenfunktion, Designated Sponsoring und institutionelle
Kundenbetreuung. Im Wertpapierhandel betreut mwb gut 46.000 Orderbücher für
deutsche und internationale Wertpapiere. Dabei handelt es sich sowohl um
Aktien als auch um festverzinsliche Wertpapiere und offene Investmentfonds.
Damit ist mwb einer der größten Skontroführer in Deutschland.
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Kai Jordan
Kleine Johannisstrasse 4
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