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Deutsche wollen mehr Geld für Straßen - Klimaschutz verliert

22.04.2026
um 06:26 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Ob Krankenhäuser, Straßen oder die Bahn: Die Menschen in Deutschland wünschen sich laut einer Umfrage in vielen Bereichen mehr öffentliche Investitionen. Allerdings haben sich die Präferenzen teils deutlich geändert, wie eine repräsentative Umfrage des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Zudem stoßen Investitionen auf Kredit bei vielen auf Ablehnung.

Am größten ist der Wunsch nach mehr Geld laut IMK für Gesundheit und Pflege. Rund 91 Prozent der Befragten gaben an, dass der Staat seine Ausgaben hier "etwas" oder "stark" erhöhen soll. Rund 87 Prozent wünschen sich mehr Investitionen in Bildung, 82 Prozent in Straßen, Brücken und Autobahnen, 80 Prozent in öffentliche Sicherheit sowie 78 Prozent in Bahnverbindungen und den öffentlichen Nahverkehr.

Dagegen ist der Wunsch nach Mehrausgaben für Mobilnetz und Internet mit etwa 56 Prozent deutlich kleiner, so die Umfrage, an der rund 2.700 Menschen im Oktober und November 2025 teilnahmen. Ähnlich sieht es aus bei mehr Geld für Klima- und Umweltschutz (53 Prozent) sowie Fußgänger- und Radwege (51 Prozent).

Klimaschutz fällt ab

Gemessen an einer vorherigen Umfrage des IMK von 2021 sank die Zustimmung für mehr Investitionen in Klima- und Umweltschutz besonders stark um 20 Prozentpunkte. Bei Mobilnetz und Internet beträgt das Minus 12 Prozentpunkte und bei Fußgänger- und Fahrradwegen 4 Prozentpunkte.

Am stärksten stieg die Zustimmung laut IMK bei Mehrausgaben für Straßen, Brücken und Autobahnen, hier gab es ein Plus von 23 Prozentpunkten. Bei der öffentlichen Sicherheit sowie bei Bahnverbindungen und öffentlichem Nahverkehr beträgt das Plus verglichen mit 2021 je 11 Prozentpunkte.

Hohe Skepsis gegen Kredite

Beim Knackpunkt Finanzierung gehen die Meinungen auseinander: 59 Prozent stimmen der Aussage zu, der Staat sollte zur Finanzierung öffentlicher Investitionen zusätzliche Kredite aufnehmen dürfen. 20 Prozent sind unentschieden; 21 Prozent stimmen einer Kreditaufnahme eher nicht oder überhaupt nicht zu.

Bei der Frage nach der konkreten Finanzierungsquelle für mehr öffentliche Investitionen nennen 66 Prozent Ausgabenkürzungen in anderen Bereichen, das sind mehr als im Jahr 2021. Für Kredite sprechen sich nur 19 Prozent aus.

Die Bevölkerung akzeptiere die Finanzierung öffentlicher Investitionen über Kredite in gewissem Umfang, wie etwa durch das schuldenfinanzierte Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, schreiben die Autoren Jan Behringer und IMK-Direktor Sebastian Dullien. "Zugleich wird eine kritische Überprüfung bestehender Staatsausgaben gewünscht, sodass ineffiziente Ausgaben zugunsten öffentlicher Investitionen gekürzt werden."

Die Sondervermögen dürften den Investitionsbedarf, der 2024 mindestens 600 Milliarden Euro betragen habe, selbst bei strikter Verwendung bestenfalls zu zwei Dritteln decken, so das IMK. Das Institut plädiert für eine Änderung der Schuldenregeln zugunsten von Investitionen, da Umschichtungen im Haushalt allein nicht reichten./als/DP/stk