NEW YORK (dpa-AFX) - Die am Mittwoch schon eingeleitete Gewinnmitnahmen-Welle bei den heißgelaufenen US-Tech-Aktien hat zu Wochenschluss ein lange nicht gesehenes Ausmaß angenommen. Befeuert wurde die Bewegung von einem soliden Jobbericht, der die Spekulationen bestärkte, dass die US-Notenbank Fed demnächst ihren Leitzins erhöhen wird.
Der von Technologie geprägte Auswahlindex Nasdaq 100 verbuchte am Freitag mit einem Abschlag von 4,77 Prozent den größten Tagesverlust seit April 2025, als die Märkte gerade den Schock über die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump verarbeiteten. Er durchbrach die 30.000- und die 29.000-Marke nach unten und erreichte den tiefsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Aus dem Handel ging der Nasdaq-Index bei 28.957,60 Punkten.
Relativ stark mit nach unten gezogen wurde auch der marktbreite S&P 500 , der 2,64 Prozent auf 7.383,74 Punkte verlor. Wie schon zuletzt schlug sich der Dow Jones Industrial besser, der eher Standardwerte abbildet. Er konnte sich der Marktlage mit einem Minus von 1,35 Prozent auf 50.866,78 Punkte aber auch nicht entziehen. Die Wochenbilanz des Dow ist moderat negativ, während der Nasdaq 100 4,5 Prozent verlor.
Der überraschend deutliche Beschäftigungsaufbau im Mai stärkte die Erwartungen für eine Anhebung der US-Leitzinsen. Am Markt gilt nun eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte bis zum Jahresende als eingepreist. Die Hoffnung auf ein stabiles Zinsniveau hat sich damit laut dem Marktbeobachter Stephen Innes zerschlagen.
Laut Innes findet aktuell an den US-Börsen eine Bewertungskorrektur statt. Diese geschehe aber vor dem Hintergrund robusten Wachstums, einer starken Beschäftigungslage und anhaltend hoher KI-Investitionen. "Diese Bedingungen sind historisch gesehen eine deutlich bessere Grundlage für den nächsten Aufschwung als eine Korrektur aufgrund einer wirtschaftlichen Eintrübung", so Innes.
Chipwerte sanken am Freitag erneut am stärksten. Die zuletzt besonders heiß gelaufenen Aktien der Chipkonzerne ARM , Marvell , Micron und AMD fielen wie schon am Vortag mit besonders deutlichen Verlusten auf, die bis zu 17 Prozent groß waren. Auch Nvidia entkamen dem Abwärtsstrudel mit einem Minus von 6,2 Prozent nicht.
Am Freitag gab es im Technologiebereich auch bei IT-, Internet- und Softwareaktien für Anleger kaum etwas zu holen. Unter den "Magnificent 7", die sich am Vortag noch mehrheitlich robust entwickelt hatten, befand sich nun kein einziger Gewinner mehr. Tesla war mit einem Kursrutsch um 6,6 Prozent das Schlusslicht unter den sieben Tech-Riesen. Alphabet zeigte sich mit einem Prozent Minus noch am robustesten.
Meta gehörte am Freitag mit minus 5,5 Prozent auch zu den Verlierern. Bei dem Social-Media-Konzern kam im Tagesverlauf ein Bericht der "Financial Times" als Belastung hinzu, wonach das Unternehmen über eine umfangreiche Kapitalerhöhung nachdenkt. Meta plane mit einem Volumen von mehreren zehn Milliarden Dollar, um die Investitionen in Technologien der Künstlichen Intelligenz (KI) zu erhöhen.
Anleger wichen am Freitag unter anderem auf Aktien aus dem Konsumbereich aus: Die führenden Werte im Dow waren Procter & Gamble und Coca-Cola , aber auch Johnson & Johnson und McDonald's gehörten mit mehr als zwei Prozent zur Spitzengruppe. Gefragt waren also Branchen, die als defensiv in unruhigen Börsenzeiten gelten.
Unter den Nebenwerten zählten die Fast-Food-Kette Chipotle Mexican Grill mit einem Plus von gut vier Prozent am Aktienmarkt zu den positiven Ausnahmen. Hier half eine Hochstufung auf "Overweight" von JPMorgan. Analyst John Ivankoe sieht ab sofort für die Aktien mehr Chancen als Risiken. Die Aktien hatten zuletzt den tiefsten Stand seit Anfang 2023 erreicht.
Die Anteile des Sportartikelkonzerns Lululemon verloren nach der Senkung von Geschäftszielen 8,6 Prozent. Sie waren kurz unter 110 Dollar auf das niedrigste Niveau seit Mai 2018 abgerutscht. Laut Lorraine Hutchinson von der Bank of America wirft eine Umsatzabschwächung Ende April und Anfang Mai Fragen bezüglich der Zielsetzungen für das zweite Halbjahr auf./tih/he