Forscher warnen vor 'Welt der Warlords'
BERLIN (dpa-AFX) - Vier deutsche Friedensforschungsinstitute warnen vor dem fortschreitenden Zerfall einer regelbasierten Weltordnung. "Demokratien stehen weltweit unter Druck: Sowohl ihre Zahl als auch ihre Qualität nehmen weltweit ab", sagte der Konfliktforscher Conrad Schetter bei der Vorstellung des sogenannten Friedensgutachtens 2026. Nur noch sieben Prozent der globalen Bevölkerung lebten in freien Demokratien. "Zugleich zerfällt die regelbasierte Ordnung", sagte Schetter.
Vereinte Nationen am Scheideweg
Die Vereinten Nationen (UN) befinden sich laut Gutachten in einer tiefen strukturellen Krise. Die UN sind eine internationale Organisation. Ihre Mitgliedstaaten verpflichten sich dazu, den Frieden durch internationale Zusammenarbeit und kollektive Sicherheit zu erhalten. Mit 193 Ländern gehören derzeit fast alle Staaten der Welt den UN an.
Rivalitäten zwischen Großmächten blockierten zentrale Entscheidungsprozesse, insbesondere im Sicherheitsrat, schreiben die Wissenschaftler im Gutachten. Gleichzeitig werde die Autorität der internationalen Organisation durch finanzielle Kürzungen und konkurrierende Politikformate untergraben.
Dennoch gebe es keine tragfähige Alternative zur UN. Die Institute fordern die Bundesregierung deshalb auf, sich zusammen mit mittleren und kleineren Staaten für eine stabile Finanzierung und Reformen einzusetzen.
Konflikte auf Rekordniveau
Der Zeitraum zwischen 2021 und 2024 markiert die gewalttätigste Phase seit Ende des Kalten Krieges, wie es in dem Gutachten heißt. Demnach wurden 61 bewaffnete Konflikte in 36 Ländern verzeichnet, an denen mindestens ein staatlicher Akteur beteiligt war. Gleichzeitig stieg die Zahl der weltweit Vertriebenen im April 2025 auf über 120 Millionen.
Militärische Gewalt habe sich als reguläres Mittel internationaler Politik etabliert. Regierungen agierten wie staatliche Warlords, die internationale Regeln missachteten und Gewalt zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetzten. Dies zeige sich besonders deutlich in den Interventionen der USA, Russlands und Israels, aber auch in den regionalen Machtprojektionen Pakistans, der Türkei, Äthiopiens oder der Golfmonarchien.
Entwicklungszusammenarbeit unter Druck
Zugleich stünden Entwicklungszusammenarbeit und besonders die humanitäre Hilfe wegen drastischer Kürzungen enorm unter Druck. Kürzungen internationaler Hilfe begünstigten die Instabilität fragiler Staaten und erschwerten eine wirksame Prävention von Gewaltkonflikten, warnen die Institute.
Um Frieden zu sichern, brauche es zudem glaubwürdige Sicherheitsgarantien, völkerrechtskonforme Regelungen, einen kontrollierten Umgang mit Sanktionen sowie den Aufbau stabiler staatlicher Strukturen. Waffenstillstände alleine sicherten keinen Frieden, betonen die Forscher.
Das Friedensgutachten ist eine jährliche Publikation des Bonn International Centre for Conflict Studies, des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung, des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und des Instituts für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen./cab/DP/zb