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ROUNDUP 2: 'Trippelschritte' bei Bonner Klimakonferenz

18.06.2026
um 17:11 Uhr

(neu: Abschluss-Erklärung UN-Klimachef.)

BONN (dpa-AFX) - Für Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat sich bei der UN-Klimakonferenz in Bonn gezeigt, dass das Pariser Klimaankommen trotz aller geopolitischen Spannungen der gemeinsame Maßstab bleibt. "Jetzt muss seine Umsetzung deutlich schneller werden", sagte Schneider der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe jetzt darum, dass bis zur Weltklimakonferenz im November in Antalya möglichst viele weitere Staaten ambitionierte neue Klimaziele vorlegten.

Zäsur durch die Erfahrungen aus dem Iran-Krieg?

Antalya könne "der Gipfel werden, bei dem aus politischen Zusagen messbare Fortschritte" würden, sagte Schneider. "Die kollektive Erfahrung mit der Straße von Hormus, also wie verwundbar die meisten von uns für fossile Preisschocks sind, kann den entscheidenden Unterschied machen. Klimaschutz entscheidet heute längst auch über wirtschaftliche Stärke, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit."

Umweltschutzorganisationen zogen am letzten Tag der Bonner Konferenz ein gemischtes Fazit. Einerseits würdigten sie den Vorschlag der türkischen Regierung, den globalen Anteil von Strom am Endenergieverbrauch bis 2035 von derzeit 20 auf 35 Prozent zu steigern. Die Türkei hat die Präsidentschaft der nächsten Weltklimakonferenz inne.

Die Initiative sei ein "gutes Signal", lobte Laura Schäfer von Germanwatch. "Nun kommt es darauf an, diese Zielsetzung durch konkrete nationale Maßnahmen zu unterlegen - auch in Deutschland." Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig betonte: "Die Elektrifizierung ist prinzipiell ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität, aber nur, wenn sie mit einem konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien begleitet wird."

UN-Klimachef beklagt "Du-zuerst-Denken"

Auf der anderen Seite stimmten die Organisationen darin überein, dass das Tempo auf der Konferenz viel zu langsam gewesen sei. "Wir haben hier in Bonn eine strukturelle Lähmung erlebt", kritisierte der Greenpeace-Klimaschutzexperte Jannes Stoppel. Die Verhandlungen gingen mit "Trippelschritten" voran, "dabei sind eigentlich Siebenmeilenstiefel nötig".

Wie schon so oft sei das "liebe Geld" auch in Bonn ein Thema mit großem Leidensdruck geblieben, sagte Fentje Jacobsen vom WWF Deutschland. Die Klimakrise sei nur zu stoppen, wenn Kohle, Öl und Gas in den Hintergrund rückten und erneuerbare Energien die Zukunft bestimmten. "Aber auch hier fehlt der konkrete Fortschritt. Das sehen wir auch am Beispiel Deutschland. Hier tritt die Bundesregierung aktuell leider auf die Bremse, anstatt die Energiewende mit voller Kraft zu vollziehen", so Jacobsen.

Etwas positiver fiel die Bilanz von UN-Klimachef Simon Stiell aus. "In Schlüsselbereichen haben wir echte Fortschritte erzielt", sagte er, räumte aber auch ein: "In anderen Bereichen gab es Ausflüchte und Verzögerungen. Wir haben gesehen, wie geopolitische Spannungen diese Säle durchzogen haben." Es gebe die Tendenz, vom anderen zu erwarten, dass dieser sich als Erster bewegen solle, das "Du-zuerst-Denken". "Das ist ein Rezept für Stillstand", kritisierte Stiell.

Angriff auf die Klimawissenschaften

Vertreter mehrerer Länder, unter ihnen die Schweiz, Sierra Leone und die vom steigenden Meeresspiegel besonders betroffenen Pazifik-Inseln, kritisierten bei einer Pressekonferenz, es seien in Bonn zunehmend objektiv feststehende Fakten zum Klimawandel in Abrede gestellt worden. Die Konferenzen seien dazu da, Antworten auf den Klimawandel zu finden, und nicht, den Stand der Wissenschaft zu diskutieren.

Bundesumweltminister Schneider stellte sich hinter diese Aussagen und kritisierte ebenfalls Angriffe auf die wissenschaftlichen Grundlagen der Klimawissenschaften. "Es ist ermutigend, dass sich eine große Anzahl von Staaten aus dem Globalen Süden und Norden dem klar gemeinsam entgegenstellt", sagte er.

An der Bonner Konferenz hatten seit Anfang vergangener Woche mehr als 6.500 Delegierte aus Regierungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fast aller UN-Mitgliedstaaten teilgenommen. Hauptaufgabe war die Vorbereitung der nächsten Weltklimakonferenz in Antalya./cd/DP/men