Estland erhält deutsche Flugabwehr Iris-T
TALLINN (dpa-AFX) - Estland hat das erste Mittelstrecken-Flugabwehrsystems Iris-T aus Deutschland erhalten. Die Luftwaffe des baltischen EU- und Nato-Landes nahm auf dem Militärflugplatz Ämari eine Einheit des bodengebundenen Waffensystems des Herstellers Diehl Defence entgegen. Dies teilten das estnische Militär und das Unternehmen mit.
Estlands Luftwaffen-Chef Riivo Valge sprach von einem "wichtigen Tag für die estnischen Streitkräfte und die estnische Luftwaffe". Iris-T ermögliche dem an Russland grenzenden Estland, Bedrohungen aus der Luft auf größere Entfernungen und in größeren Höhen als mit den bisherigen Kurzstreckensystemen zu bekämpfen.
Luftverteidigung als Schwachstelle
Die Luftverteidigung gilt als eine Schwachstelle Estlands, das den Kauf von Iris-T gemeinsam mit dem benachbarten Lettland vereinbart hatte. Die beiden Baltenstaaten betrachten den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als direkte Gefahr für ihre Sicherheit. Die Regierung in Tallinn hat deshalb die Militärausgaben bereits massiv aufgestockt und rüstet die Streitkräfte auf.
Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur betonte: "Der Krieg in der Ukraine hat deutlich gezeigt, dass eine starke Luftverteidigung ein zentraler Bestandteil der Landesverteidigung ist und für den Schutz unserer Bevölkerung, der Einheiten unserer Streitkräfte und der kritischen Infrastruktur unerlässlich ist."
Großauftrag für den deutschen Hersteller
Die estnische Armee soll insgesamt drei Einheiten des Flugabwehrsystems erhalten, die beiden noch ausstehenden Systeme sollen im kommenden Jahr geliefert werden. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht. Diehl Defence zufolge soll es sich "um die bis dato größte Verteidigungsinvestition in der Geschichte des Landes" handeln.
Diehl-Defence-Chef Helmut Rauch betonte, die Übergabe des Systems an Estland stehe exemplarisch für die Wachstumsstrategie, die der deutsche Hersteller in den vergangenen Jahren konsequent vorangetrieben habe. Und zeige, "dass wir auch unter dem erheblichen Nachfragedruck, den der europäische Luftverteidigungsmarkt derzeit erlebt, liefern können"./awe/DP/jha