BERLIN/NECKARSULM (dpa-AFX) - Wer am Donnerstag bei Kaufland einkaufen möchte, muss womöglich mit Einschränkungen rechnen: Denn die Gewerkschaft Verdi nimmt bei einem erneuten Warnstreik die Handelskette ins Visier. Bundesweit seien unter anderem die Beschäftigten von mehr als 100 Filialen zum Ausstand aufgerufen, teilte Verdi mit. Deutschlandweit betreibt Kaufland nach eigenen Angaben mehr als 790 Filialen. Dort arbeiten demnach über 92.000 Menschen.
Kaufland gehört - wie der Discounter Lidl - zur Neckarsulmer Schwarz-Gruppe. "Dieter Schwarz ist mit Abstand der reichste Mensch in Deutschland", teilte Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer mit. Seine Beschäftigten hätten sein Milliardenvermögen durch ihren Fleiß mit erarbeitet. Aber ihr eigener Lohn reiche oftmals nicht bis zum Monatsende.
Wie stark Kunden die Arbeitsniederlegung zu spüren bekommen werden, war zunächst offen. Welche Filialen konkret bestreikt werden, teilte Verdi nicht mit. Normalerweise haben Ausstände im Handel keine größeren Auswirkungen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte bei früheren Streikwellen erklärt, keine spürbaren Auswirkungen für Kunden zu erwarten.
Trotz des Streikaufrufs sollen nach Angaben von Kaufland alle Filialen regulär geöffnet haben. "Unsere Kundinnen und Kunden können wie gewohnt bei uns einkaufen. Auch die Warenversorgung unserer Filialen ist sichergestellt", teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Man respektiere selbstverständlich das verfassungsrechtlich verankerte Streikrecht der Mitarbeiter. "Die Durchführung von Streikmaßnahmen ist eine legitime Möglichkeit seitens der Arbeitnehmer, ihre Forderung zum Ausdruck zu bringen".
Streit um Lohn und Laufzeit
Die Verhandlungen für den Einzelhandel sowie den Groß- und Außenhandel starteten im April in den ersten Landesbezirken. Mitte Mai und Anfang Juni hatte es bereits bundesweite Warnstreiks gegeben. Betroffen waren unter anderem auch Geschäfte von Edeka, Rewe, Douglas, H&M
Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber haben zuletzt in mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg im Einzelhandel ab November eine Erhöhung um zwei Prozent angeboten und ab August 2027 eine weitere um 1,5 Prozent - bei einer zweijährigen Laufzeit. Verdi lehnte dies ab.
Kaufland-Vertreter sitzen nach übereinstimmenden Angaben bei den regionalen Tarifverhandlungen mit an den Verhandlungstischen. Damit habe Kaufland ein großes Gewicht in den Arbeitgeberkommissionen und sei für das bisherige inakzeptable Angebot der Arbeitgeber mit Nullmonaten und Reallohnverlusten mitverantwortlich, teilte Verdi mit. Die Kaufland-Sprecherin betonte, dass man sich dafür einsetze, dass die Mitarbeitenden angemessen entlohnt werden. "Als tarifgebundenes Unternehmen sind wir an einer zügigen Lösungssuche interessiert, die beide Parteien gleichermaßen zufriedenstellt."
Verhandlungen haben Folgen für Millionen Menschen
Im Handel arbeiten laut Gewerkschaft hierzulande rund 5,2 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die vorherigen Tarifverhandlungen zogen sich über mehr als ein Jahr hin. Am Ende stand für die Beschäftigten im Einzelhandel ein Einkommensplus von insgesamt etwa 14 Prozent für die Jahre 2023 bis 2025.
Die nächsten Verhandlungstermine sind für diesen Freitag angesetzt: für den Einzelhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie für den Groß- und Außenhandel in Baden-Württemberg./ols/DP/stw