Türkei dringt auf neues Abkommen zwischen Moskau und Kiew
ISTANBUL (dpa-AFX) - Die Türkei setzt sich für ein neues Abkommen zwischen den Kriegsparteien Russland und Ukraine etwa zum Export von Getreide über das Schwarze Meer ein. Man stehe dazu mit Kiew und Moskau in Kontakt, sagte der türkische Außenminister Hakan Fidan in Istanbul vor Journalisten. "Wir arbeiten an einem weiteren Abkommen, ähnlich wie das Getreideabkommen", sagte Fidan. Ein solches Abkommen hatte es bereits nach Kriegsbeginn 2022 gegeben. Es lief aber 2023 aus.
Fidan rief die Kriegsparteien zudem mit dem Blick auf Drohnenangriffe gegen Schiffe im Schwarzen Meer zur Zurückhaltung auf. Die Angriffe seien nicht nur eine Bedrohung für die Sicherheit auf dem Schwarzen Meer, sondern auch für die Lebensmittelsicherheit weltweit, warnte der Minister.
Putin und Erdogan sprechen über Lage im Schwarzen Meer
Die Ukraine und Russland gehören zu den wichtigsten Weizenexporteuren der Welt. Fallen ihre Mengen weg auf dem Weltmarkt, werden nicht nur höhere Preise befürchtet, sondern auch Engpässe oder sogar Hunger etwa in afrikanischen Staaten. Wegen der gegenseitigen Angriffe im Schwarzen Meer fahren dort im Moment kaum Getreidefrachter.
Die Lage im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und insbesondere der Seekrieg im Schwarzen Meer sind an diesem Dienstag auch Themen eines Treffens von Kremlchef Wladimir Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Kirgistan. Während die Ukraine eine neue Waffenruhe im Schwarzen Meer befürwortet, hatte sich Russland zuletzt ablehnend geäußert. Moskau will verhindern, dass Kiew mit den Milliardeneinnahmen aus dem Getreideexport noch mehr Waffen einkauft für den Krieg.
Immer wieder Drohnenangriffe auf Schiffe
Die Türkei und die UN hatten in der Vergangenheit mit Russland und der Ukraine ein Abkommen zur Verschiffung ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer ausgehandelt. Dank der Vereinbarung konnte die Ukraine trotz des russischen Angriffskriegs zwischenzeitlich Getreide auf dem Seeweg exportieren.
Die Spannungen auf dem Schwarzen Meer hatten zuletzt zugenommen. Am Samstag hatte die Türkei den ukrainischen Botschafter ins Außenministerium einbestellt und gegen Angriffe gegen zwei türkische Schiffe am 26. und 27. August im Schwarzen Meer protestiert.
Am Sonntag war der Nachrichtenagentur DHA zufolge ein unter der Flagge Hongkongs fahrender Tanker nach einem Drohnenangriff vor der türkischen Schwarzmeerprovinz Samsun auf Grund gelaufen. Demnach wurde das Schiff schon vergangenen Mittwoch angegriffen und trieb nach der Evakuierung der Besatzung nach Russland tagelang führungslos auf dem Meer./jam/DP/stw