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ROUNDUP: Kita-Gesetz im Kabinett: Sprachtests und frühe Förderung

02.09.2026
um 14:39 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Alle Kinder in Deutschland sollen künftig im Alter von vier Jahren nach einheitlichen Standards auf Sprache und Entwicklung getestet werden. Bei Bedarf sollen die Jungen und Mädchen besonders gefördert werden, damit der Start in die Grundschule besser klappt. Das steckt im Entwurf des neuen Kita-Gesetzes, den das Bundeskabinett gebilligt hat und der nun zur Beratung in den Bundestag geht. Ab 2027 soll es schrittweise in Kraft treten und ab 2029 voll greifen.

Ziel sei mehr Bildungsgerechtigkeit, sagte Familienministerin Karin Prien (CDU). "Der Bildungs- und Lebensweg von Kindern, von jungen Menschen hängt immer noch viel zu stark davon ab, woher ein Kind kommt, aus welcher Familie es stammt, wie der Bildungsstand der Eltern ist und zu wenig davon, wie Talente und Fähigkeiten bei den Kindern selbst sind", sagte sie.

Die Schere öffne sich schon kurz nach der Geburt, und es gelinge bisher nicht, sie im Bildungssystem zu schließen. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler ließen insgesamt nach, immer mehr von ihnen erreichten keinen Abschluss. Das gefährde die Wirtschaft, aber auch die Demokratie, meinte die Ministerin.

"Erstmals verbindliche Qualitätsstandards"

Das Neue am sogenannten Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG) nach Priens Worten: "Erstmals schaffen wir verbindliche Qualitätsstandards auf Bundesebene für den Bereich der Kindertagesbetreuung." Und die Finanzhilfen des Bundes an die Länder seien nicht mehr kurzfristig, sondern auf acht Jahre angelegt. Der Bund gibt laut Gesetzentwurf bis 2034 insgesamt 9,25 Milliarden Euro.

Das Gesetz setzt an drei Punkten an: mehr Kinder in öffentliche Betreuung bringen; möglichst früh vor allem fehlende Sprachkenntnisse dingfest machen; und etwaige Probleme durch gezielte Hilfen ausgleichen. Die Tests, bei denen neben Sprachkenntnissen auch Bewegung, emotionale Entwicklung und mathematische Fähigkeiten ermittelt werden, sollen auch Vierjährige durchlaufen, die nicht in einer Kita sind.

Schwerpunkt auf Kitas in schwierigen Lagen

Alle Kitas sollen etwas mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung bekommen. Besonderes Augenmerk liegt aber auf Kitas mit vielen Kindern, die in schwierigen Lebensumständen aufwachsen. Je nach Größe sollen die Einrichtungen bis zu 1,5 zusätzliche Personalstellen bekommen. Diese besondere Förderung soll in mindestens zehn Prozent der Kitas in jedem Land zur Verfügung stehen.

Kriterium dafür ist, ob dort viele Kinder sind, die in finanzieller Bedürftigkeit aufwachsen, für die die Familiensprache nicht Deutsch ist oder deren sprachliche Entwicklung auffällig ist. Kitas und Schulen sollen Daten über Ergebnisse der Sprach- und Entwicklungstests miteinander teilen können.

Paritätischer für "Sozialindex"

Die besondere Förderung für Kitas in schwierigen Lagen finden Sozialverbände richtig. Bildungschancen dürften nicht länger von Herkunft und Wohnort abhängen, erklärte der Sozialverband Deutschland. Auch der Paritätische Gesamtverband fordert einen "Sozialindex" in der Kita-Finanzierung, also besonders viele Ressourcen dort, wo Armut, Migration und Inklusionsbedarf die Lage besonders schwierig machen.

In einem neuen Kita-Bericht zeichnet der Paritätische aber auf Grundlage einer Umfrage unter 3.267 Kitas ein düsteres Bild. Rechnerisch fehlten derzeit bundesweit 107.000 pädagogische Beschäftigte, obwohl mehr als 550.000 Kita-Plätze derzeit ungenutzt seien, heißt es im Bericht. Wo weniger Kinder kämen, schrumpften die Kita-Teams.

65,3 Prozent der Fachkräfte gaben an, dass sie mit dem vorhandenen Personalschlüssel den Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht werden könnten. Neun von zehn Einrichtungen berichten von starker psychischer Beanspruchung des Personals. In 43,5 Prozent der Kitas sei binnen eines Jahres mindestens eine Fachkraft aus psychischen Gründen gegangen.

"Bundesmittel halbiert"

Die Grünen-Bildungspolitikerin Anja Reinalter bemängelte, dass die finanzielle Unterstützung des Bundes nicht etwa steige, sondern schrumpfe: 2025 und 2026 habe er rund zwei Milliarden Euro für die frühkindliche Bildung bereitgestellt, perspektivisch sinke der Betrag mit dem neuen Gesetz auf etwa eine Milliarde Euro pro Jahr. "Die Bundesregierung spart damit an der frühkindlichen Bildung und halbiert die Bundesmittel", kritisierte die Grünen-Politikerin./vsr/DP/jha