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ROUNDUP: Berliner SPD-Kandidat Krach geht im Spenden-Krimi in die Offensive

10.09.2026
um 16:00 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Nach dem Wahlkampf-Schock wegen strafrechtlicher Ermittlungen gegen ihn geht der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach in die Vorwärtsverteidigung: Auf einer Pressekonferenz wies der 47-Jährige wenige Tage vor Berlin-Wahl am 20. September den Verdacht der Bereicherung "mit aller Deutlichkeit" zurück und stellte absolute Transparenz in Aussicht. "Ich habe niemals privat Geld angenommen. Und ich habe auch niemals als SPD-Vorsitzender hier in Berlin eine Spende angenommen", sagte er. "Ich habe nichts zu verbergen." Bei Interesse könnten Ermittler seine Konten einsehen.

Gleichzeitig kündigte er an, in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl unvermindert Wahlkampf zu machen. "Ich werde weiter kämpfen um jede Stimme für die SPD", sagte Krach, dessen Partei in Umfragen ohnehin schlecht dasteht. Gleichzeitig räumte er negative Auswirkungen auf seinen Wahlkampf ein. Er wolle eigentlich über inhaltliche Themen und die Herausforderungen für Berlin sprechen. "Das rückt jetzt leider alles in den Hintergrund."

Rückhalt aus SPD

Aus seiner Partei bekam Krach Rückhalt. Er habe die volle Solidarität und Rückendeckung, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) dem RBB. "Und das ist ganz klar, dass wir ihm hier in dieser Situation den Rücken stärken." Krach habe eine Geldspende aus Niedersachsen zurückgewiesen, sagte SPD-Fraktionschef Raed Saleh. "Daran erkennt die Fraktion weder eine politische noch eine strafrechtliche Relevanz und findet zudem den zeitlichen Zusammenhang mit demokratischen Wahlen bedenklich."

Ermittler halten sich bedeckt

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Krach, äußerte sich aber bisher nicht zu konkreten Vorwürfen und verwies auf die Unschuldsvermutung. Am Mittwoch waren mehrere Objekte in Hannover und Berlin durchsucht worden, darunter Krachs Wohnung in der Hauptstadt. Dabei war ihm unter anderem sein Handy abgenommen worden, wie er schilderte. Er geht davon aus, dass ihm Korruption vorgeworfen wird.

Krach war 2021 zum Präsidenten der Region Hannover gewählt worden, ist aber seit geraumer Zeit beurlaubt. Denn im Sommer 2025 folgte er dem Ruf der Berliner SPD, um die Spitzenkandidatur für die Wahl zum Abgeordnetenhaus zu übernehmen. Krach ist inzwischen auch Co-Vorsitzender der Berliner-SPD.

Spende im Fokus

Hintergrund der Anschuldigungen ist nach seinen Angaben ein Vergabeverfahren zur Nachnutzung eines Klinikgeländes in der Region Hannover. Krach war als Regionspräsident Chef des Aufsichtsrates der Klinik. In einem Bieterverfahren konkurrierten zwei Unternehmen um den Zuschlag. Eines davon überwies laut Krach noch während des laufenden Verfahrens eine Spende in Höhe von 9.900 Euro an die Berliner SPD, deren kommissarischer Vorsitzender er zu dem Zeitpunkt bereits war.

Die Spende sei am 29. Dezember 2025 bei der SPD eingegangen, schilderte Krach. "Ich habe am 7. Januar 2026 um 15:11 Uhr die Information durch den Landesgeschäftsführer über diese Spende bekommen. Am 8. Januar um 6:45 Uhr, also keine 24 Stunden später, habe ich per Mail die Weisung erteilt, dass diese Spende nicht angenommen werden darf und sofort zurücküberwiesen werden muss", so Krach. "Und das ist der Beleg dafür", fügte er hinzu und hielt ein Schriftstück in die Kameras.

"Nicht an Vertragsverhandlungen beteiligt"

Brisant an dem Vorgang ist, dass Krach im Vergabeverfahren dafür eingetreten war, dem fraglichen Bieter den Zuschlag zu erteilen. Sein Ziel sei der Aufbau eines regionalen Gesundheitszentrums gewesen, das habe er den Menschen vor Ort versprochen, so Krach. Das von ihm favorisierte Unternehmen habe das garantiert und hohe Investitionen angekündigt. Am 19. Februar 2026 habe der Aufsichtsrat aber anders entschieden und dem zweiten Bieter den Zuschlag erteilt. Er habe sich bei der Abstimmung enthalten, so Krach.

An den Vertragsverhandlungen sei er nie direkt beteiligt gewesen, sagte er. Das habe die Geschäftsführung des Klinikums Hannover gemacht. "Ich habe persönlich keinen Kontakt mit diesem Unternehmer gehabt", versicherte Krach. Er habe zuletzt vor zwei bis zweieinhalb Jahren mit ihm in Verbindung gestanden. Während des Vergabeverfahrens habe es keinen persönlichen Austausch gegeben. Er habe nicht einmal eine Handynummer von ihm.

"Ich habe keine Spende von diesem Unternehmen angenommen. Und ich sage das auch ganz offen: Der Vorwurf der Bereicherung trifft mich persönlich sehr. Denn ich habe immer klare Grenzen gezogen in den zwölf Jahren, in denen ich politisch Verantwortung trage." Das fragliche Unternehmen, aus dem die abgewiesene Spende an die SPD kam, äußerte sich auf dpa-Anfrage nicht.

"Überrascht" über Vorgehen der Staatsanwaltschaft

Auf Fragen von Journalisten sagte Krach mehrfach, dass er das Vorgehen der Staatsanwaltschaft so kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September nicht bewerten wolle. "Ich unterstelle der Staatsanwaltschaft gar nichts", sagte er. "Ich bin absolut überzeugter Demokrat und glaube an die Unabhängigkeit der Justiz."

Krach ergänzte, er sei jedoch über den Zeitpunkt der Wohnungsdurchsuchung bei ihm "überrascht". "Ich weiß nicht, was sie dort gesucht haben, unter den Betten meiner Kinder oder im Auto." Beschlagnahmt worden seien neben seinem Handy, das er womöglich in Kürze zurückbekomme, alte Handys der Familie und ein iPad. Einen genauen Überblick habe er nicht./kr/toz/DP/men