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ROUNDUP 2: Neuer Umfragedämpfer für CDU - Merz unter Druck

10.09.2026
um 17:55 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Was viele in der CDU nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt befürchtet haben, scheint sich jetzt zu bewahrheiten: In Mecklenburg-Vorpommern zieht die Mobilisierung der regierenden SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gegen die AfD die Union in den Umfragen weiter in die Tiefe.

In einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Insa für den Neubrandenburger "Nordkurier" gewinnt die SPD vier Punkte auf 33 Prozent und liegt damit nur noch knapp hinter der AfD mit 36 Prozent. Die CDU stürzt gleichzeitig von 10 auf 7 Prozent ab und kommt der 5-Prozent-Hürde für den Einzug in den Landtag bedrohlich nahe.

In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD fällt die CDU von 8 auf 7 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, während die SPD einen Prozentpunkt auf 33 hinzugewinnt. Der Wert der AfD steigt allerdings noch stärker von 35 auf 38. Infratest befragte von Montag bis Mittwoch dieser Woche 1.556 Wahlberechtigte.

CDU war bisher nur einmal einstellig

7 Prozent wären das schlechteste Ergebnis der CDU überhaupt bei einer Landtagswahl. Der bisherige Minusrekord stammt von 1951 und liegt bei 9,0 Prozent. Es war in fast 80 Jahren das einzige Mal, dass die CDU einstellig abschnitt.

Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt, vorher gibt es am kommenden Sonntag noch eine Kommunalwahl in Niedersachsen. Die Ergebnisse werden auch über die politische Zukunft von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mitentscheiden. Der seit seiner viel kritisierten Personalrochade im Sommer angezählte Kanzler wird für das Wahldebakel in Sachsen-Anhalt mitverantwortlich gemacht. Sollten weitere schwere CDU-Niederlagen folgen, könnte es auch für ihn eng werden.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Berlin

In Berlin will die CDU den Posten des Regierungschefs verteidigen. Es gibt dort ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit AfD, Grünen und Linke - Ausgang offen. Sollte die CDU dort nicht auf Platz eins landen und in Mecklenburg-Vorpommern einstellig abschneiden, könnte es für Merz eng werden.

Der Kanzler hatte sich am Montag schockiert vom klaren Wahlsieg der AfD gezeigt und als Reaktion darauf versprochen, seine Politik künftig besser zu erklären und die Menschen stärker "auch in ihrer ganzen Emotionalität" anzusprechen.

Der erste Test in der Generaldebatte des Bundestags kam aber bei vielen in der CDU nicht so gut an. Merz verwendete einen großen Teil seiner Rede darauf, sich an seiner Vorrednerin, der AfD-Chefin Alice Weidel, abzuarbeiten und sie scharf zu attackieren. Die neue eigene Erzählung, die er angekündigt hatte, unterfütterte Merz dagegen nicht.

Während Weidel in der Generaldebatte von ihrer Fraktion mit Standing Ovations gefeiert wurde, war der Applaus für Merz aus den Reihen der Union mäßig. Offen stellt sich angesichts der bevorstehenden Wahlen aber bisher noch kein prominenter CDU-Politiker gegen den Chef.

Erste Rücktrittsforderung aus der CDU: "Er muss runter vom Sessel"

Aus der zweiten Reihe der Landespolitik hat sich allerdings jemand aus der Deckung gewagt. Der stellvertretende Landesparteichef von Mecklenburg-Vorpommern, Tino Schomann, nannte die Pressekonferenz von Merz am Tag nach der Sachsen-Anhalt-Wahl "einfach nur grottig" und forderte: "Er muss runter vom Sessel, und da muss ein anderer rauf."

Seit Wochen wird über einen möglichen Kanzlertausch spekuliert. Als mögliche Nachfolger von Merz werden der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und der bayerische Regierungschef Markus Söder (CSU) gehandelt.

Merz: "Aufgeben ist für mich keine Option"

Merz machte am Montag allerdings klar: "Aufgeben ist für mich keine Option." Er stelle sich seinen Aufgaben als Kanzler, "und ich weiß dabei auch die CDU, die Ministerpräsidenten, das Präsidium und den Bundesvorstand der CDU hinter mir".

Wüst im Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern

Im weiteren Wahlkampf wird er sich trotzdem weiter rarmachen. In Berlin ist bisher ein einziger Termin nächste Woche Donnerstag in der CDU-Bundeszentrale geplant. In Mecklenburg-Vorpommern will er sich nach jetzigem Stand nicht noch einmal blicken lassen, nachdem er bei seinem bisher einzigen Besuch in Kühlungsborn von einzelnen Wählern mit Pfiffen, Beschimpfungen und Rücktrittsforderungen empfangen wurde.

Wüst machte dagegen heute in Wolgast bei der Insel Usedom Wahlkampf - und wandte sich gegen die Diskussionen über ein Abtreten des Kanzlers. "Personaldebatten helfen uns jetzt nicht weiter", sagte er auf Nachfrage./mfi/DP/men