ROUNDUP: Sabotage legt Bahnverkehr in Teilen der Niederlande lahm
AMSTERDAM (dpa-AFX) - Der Zugverkehr in weiten Teilen der zentralen und nördlichen Niederlande ist am Morgen durch Sabotage an den Gleisanlagen zum Erliegen gebracht worden. Nach Angaben des Netzbetreibers ProRail legten bislang unbekannte Täter auf verschiedenen Streckenabschnitten Rohre über die Gleise. Insgesamt seien an 30 Stellen solche und ähnliche Materialien entdeckt worden.
Es sei klar, dass die Rohre "dort vorsätzlich abgelegt" wurden, sagte eine Sprecherin von ProRail der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Dadurch habe das Computersystem der Bahn Signale bekommen, wonach die Gleise an den betroffenen Stellen belegt und nicht befahrbar seien.
Regierungschef nennt Sabotage "lebensgefährlich"
Der niederländische Regierungschef Rob Jetten bezeichnete die Sabotageakte als "lebensgefährlich". Sie ziele darauf ab, "die Gesellschaft zu destabilisieren", sagte Jetten laut ANP. Er könne sich aber bislang nicht dazu äußern, ob es sich um Terrorismus handele oder nicht. Dafür müssten die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen abgewartet werden.
Laut Polizei wurden nach der Räumung der Gleise am Morgen an mehreren der Stellen erneut Materialien entdeckt, die zu Störungen hätten führen können. Der Bahnverkehr sei dennoch bis gegen Mittag weitgehend normalisiert worden, hieß es von ProRail.
Geheimdienst unterstützt Ermittlungen
Derweil erklärte der niederländische Geheimdienst AIVD, man unterstütze die Polizei bei den Ermittlungen und konzentriere sich auf die Frage "aus welcher Richtung dies kommt".
Zur Frage nach der Möglichkeit eines terroristischen Hintergrunds wollte sich ein Sprecher des Nationalen Koordinators für Terrorismusbekämpfung und Sicherheit (NCTV) laut ANP nicht äußern. Zunächst müsse man die weiteren Ermittlungen von ProRail, der Polizei und der Staatsanwaltschaft abwarten.
Der Zugverkehr war am Morgen rund um Zwolle zeitweise komplett zusammengebrochen. Auch zwischen Utrecht und Gouda sowie zwischen Apeldoorn und Deventer verkehrten keine Züge. Die Probleme hätten sich aber als kontrollierbar erwiesen: An den betroffenen Bahnhöfen sei es "etwas voller als sonst" gewesen, sagte die ProRail-Sprecherin./pau/DP/jha