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Analyse: Erderwärmung erhöhte Risiko für Sturzflut im Nepal

17.09.2026
um 06:40 Uhr

LONDON (dpa-AFX) - Die Erderwärmung erhöht die Wahrscheinlichkeit für verheerende Sturzfluten wie die im Himalaya Ende August. Das geht aus einer Analyse der Forschungsinitiative World Weather Attribution (WWA) hervor.

Am 26. August war ein großer Teil einer Bergflanke mit einem Gletscher im Grenzgebiet von Nepal und China abgebrochen. Der Einsturz am Nordhang des Berges Langtang Lirung löste eine gewaltige Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll aus, die verheerende Schäden anrichtete. Nach WWA-Angaben wurden bis Mitte September rund 1.400 Tote registriert. Mehr als 5.000 Menschen wurden noch vermisst.

Im Gegensatz zu früheren Analysen verzichtet die Initiative auf eine klare Zuweisung der Ursache: "Es wurde nicht untersucht, ob diese konkrete Fels-Eis-Lawine ohne den menschengemachten Klimawandel ebenfalls aufgetreten wäre", schreibt sie. Für eine solche Zuweisung seien zusätzliche Erkenntnisse nötig, etwa über Temperaturen im Untergrund, den Wasserdruck in Felsspalten und die mechanische Entwicklung des Hangs. Rasch steigende Temperaturen erhöhen laut WWA jedoch die Wahrscheinlichkeit solcher Katastrophen im Himalaya.

Viele klimabedingte Faktoren verändern Gebirge

Die Initiative nennt eine Reihe destabilisierender Faktoren, die zumeist unmittelbar mit dem Klimawandel zusammenhängen:

- Temperaturen: Im Jahresmittel ist der klimawandelbedingte Temperaturanstieg in der Region laut WWA mit etwa zwei Grad größer als die globale Erwärmung. Die beiden Monate Juli und August, die dem Ereignis unmittelbar vorausgingen, waren ebenfalls deutlich wärmer als im klimatologischen Durchschnitt.

- Gletscherschmelze: Die Erderwärmung hat zu einem erheblichen Rückgang des Langtang-Lirung-Gletschers geführt. Dadurch ist stabilisierendes Eis im Bereich des späteren Einsturzes entfernt und zusätzlich Schmelzwasser freigesetzt worden.

- Permafrost: Die Erwärmung und der Abbau des Permafrosts, eines langanhaltenden gefrorenen Bodens, haben wahrscheinlich den Felsuntergrund geschwächt und Eis in Spalten aufgetaut. Dies könnte als zusätzlicher klimabedingter Faktor für den Abbruch gewirkt haben.

- Niederschläge: Starke Schneefälle im Oktober und November 2025 führten in den Monaten vor dem Einsturz zu besonders großen Mengen an Schmelzwasser.

- Erdbeben: Neben diesen Faktoren könnte ein schweres Erdbeben von 2015 in der Region das Gestein dort langfristig geschwächt haben. Der konkrete Beitrag dieses Erdbebens zur Katastrophe von 2026 sei jedoch nicht klar.

Bei der aktuellen Katastrophe handle es sich nicht um ein einzelnes Extremwetterereignis, die Fingerabdrücke des Klimawandels seien in den langfristigen Veränderungen jedoch deutlich erkennbar, sagt Mitautor Ben Clarke vom Imperial College London. "Wir haben festgestellt, dass der Klimawandel die Hochgebirgsregion transformiert und dabei viele der möglichen Ursachen für diesen Einsturz beeinflusst."

Katastrophe übersteigt Fähigkeit zur Anpassung

"Dieser Bericht ist keine traditionelle Studie der World Weather Attribution, weil wir nicht ein einzelnes Extremwetterereignis untersuchen, sondern eine mehrstufige Katastrophe im Gebirge, bei der viele Faktoren zur Verursachung beigetragen haben", sagt Mitautorin Friederike Otto vom selben College. Die Klimaungerechtigkeit zeige sich hier wieder deutlich. "Die Menschen in Nepal bezahlen mit ihrem Leben für eine Krise, die durch fossile Emissionen Tausende Meilen entfernt verursacht wird."

Wenn die Erderwärmung das Dach der Welt destabilisiere, könne keine noch so umfangreiche Anpassung vor Ort die gefährdeten Menschen vollständig vor solchen Zerstörungen schützen, ergänzt Otto. "Ohne wesentlich schnellere Fortschritte beim Übergang zu einer Welt ohne fossile Brennstoffe werden wir in den kommenden Jahren unweigerlich weitere Katastrophen dieses Ausmaßes sehen."

Nepal verfüge bereits über Frühwarnsysteme und Katastrophenschutzpläne, schreibt die WWA. Diese hätten zwar dazu beigetragen, Menschenleben zu retten. Das Ausmaß dieser Tragödie habe jedoch die physischen Grenzen dieser Anpassung überschritten. "In einem sich rasch erwärmenden Himalaya übersteigen zunehmend extreme und komplexe Gefahren die Anpassungskapazitäten", schreibt die Initiative./hu/DP/zb