Pressestimme/'Washington Post': Kanada macht einen Fehltritt Richtung Europa
WASHINGTON (dpa-AFX) - Angesichts des Handelsstreits mit den USA lotet Kanadas Premierminister Mark Carney die Optionen einer engen Partnerschaft mit der Europäischen Union aus. Dazu schreibt die "Washington Post":
"Die EU inszeniert sich als die freundlichere Alternative zu den unberechenbaren und protektionistischen USA. Doch die EU hat selbst ein kompliziertes Verhältnis zum Freihandel. (...) Sie errichtet Handelsbarrieren und schreibt allen Mitgliedsstaaten vor, ihre Abkommen via Brüssel auszuhandeln (...) Es gibt praktisch keinen Bereich der öffentlichen Politik, den der Block nicht versucht, durch erdrückende Vorschriften zu beeinflussen - fast immer zulasten nationaler Souveränität. Dies hat zu politischer Gegenwehr geführt, darunter dem Brexit-Referendum von 2016.
Carneys Bereitschaft, sich mit (EU-Kommissionspräsidentin Ursula) von der Leyen zu arrangieren, verdeutlicht, wie sehr (US-Präsident Donald) Trump traditionelle Verbündete vor den Kopf gestoßen hat.
Doch die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. In diesem Fall steht Kanada und den USA in etwas mehr als zwei Jahren ein Neuanfang bevor. Im Januar 2029 wird ein neuer (US-)Präsident sein Amt antreten, und die verheerenden Folgen der Vergeltungszölle - sollten diese fortbestehen - werden auf beiden Seiten der Grenze bis dahin noch deutlicher zu spüren sein. Bis dahin könnten die Kanadier jedoch bereits fest im Griff der Brüsseler Bürokraten stecken."/juw/DP/stk