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So blickt das Ausland auf die Wahlen in MV und Berlin

20.09.2026
um 22:58 Uhr

PARIS (dpa-AFX) - In gleich zwei Wahlen fährt die Partei des Bundeskanzlers Niederlagen ein, während die AfD reüssiert. Das wird auch im Ausland genau beobachtet. Viele Medien kommentieren die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin und blicken dabei auf die Zukunft von Kanzler Friedrich Merz (CDU).

Frankreich

"Libération": "Kann Merz nach dem Erdbeben in Sachsen-Anhalt am 6. September das Nachbeben dieses Wochenendes überleben? (...) Ein "Desaster" laut Merz selbst, der kurz das Wort ergriffen hat. Er will von einem Rücktritt nichts hören und sieht vor, seine Reformen durchzusetzen, die genauso unbeliebt sind wie er. (...) Dabei glaubt niemand, dass er sich bis zum Ende seiner Amtszeit halten kann.

Am Ende könnte Merz von mangelndem Verlangen nach dem Job gerettet werden. Man drängelt sich nicht, um seine "Reformen des Sozialstaats" durchzusetzen. Kanzler Deutschlands zu sein kommt derzeit einem angekündigten Selbstmord gleich. (...)"

Großbritannien

"The Telegraph": "Der mitte-rechts stehende CDU-Vorsitzende ist wegen seines Versagens, die angeschlagene deutsche Wirtschaft zu reformieren und den Aufstieg der AfD einzudämmen, unter Rücktrittsdruck geraten. Mit einer Zustimmungsquote von nur 10 Prozent ist er bei den Wählern und seinen eigenen Parteimitgliedern, die ihn als realitätsfern, unsensibel und arrogant bezeichnen, äußerst unbeliebt."

Italien

"La Stampa": "Die Architektin des beeindruckenden Comebacks (der SPD) in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau - eine weitere standhafte Stütze gegen die nationalistische Rechte, die in Deutschland ebenfalls von den Stimmen verärgerter Männer profitiert und deren Aufstieg die Umfragen bis vor kurzem nicht auf dem Radar hatten.

Manuela Schwesig, von ihren CDU-Gegnern "Küsten-Barbie" genannt, zerlegte Tag für Tag die fadenscheinigen Wirtschaftskonzepte ihrer AfD-Konkurrenten. (...) Während die SPD in den Abgrund stürzte, der die europäischen Massenparteien verschlingt, hat sich Schwesig einen Ruf erarbeitet, der mittlerweile fast schon in blindes Vertrauen umschlägt - so sehr, dass manche sie sich als Kanzlerkandidatin der SPD erträumen."

Polen

"Gazeta Wyborcza": "Die Deutschen verfolgen die Wahlen in beiden Bundesländern mit großer Aufmerksamkeit, weil nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt, wo die CDU eine enorme Niederlage erlitt, die weitere Kanzlerschaft von Merz in Frage gestellt wurde. Als er die Führung der CDU übernahm, hatte Merz versprochen, dass er die Unterstützung für die AfD halbieren würde. Heute wird ihm vorgeworfen, dass er zum Wachsen ihrer Popularität beigetragen hat."/rew/DP/zb