Rentenreform: 'Wirtschaftsweiser' fordert Gegenvorschläge
BERLIN (dpa-AFX) - In der Debatte um ein Umdenken bei der geplanten Rentenreform der Bundesregierung fordert der "Wirtschaftsweise" Martin Werding Gegenvorschläge von den Parteien. "Wer aus dem Paket der Empfehlungen der Kommission jetzt gewichtige Bestandteile herauslösen will, sollte Angebote machen, was stattdessen geschehen kann", sagte der Wirtschaftsprofessor von der Ruhr-Universität Bochum den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Als Beispiele für mögliche Kürzungen nannte er die Verlängerung der Haltelinie oder die geplante Ausweitung der Mütterrente.
Seit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt debattieren Union und SPD über Konsequenzen. Prominente SPD-Vertreter wie Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig fordern, dass geplante Reformen wie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren erneut auf den Prüfstand kommen.
"Das nötige Geld ist gar nicht da"
Werding war selbst Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Alterssicherungskommission, die die 33 Empfehlungen für Reformen erarbeitet hatte. Die bis 2031 verlängerte Haltelinie aufzugeben, die das Rentenniveau bei 48 Prozent hält, könne den Bundeshaushalt von ohnehin kaum zu haltenden Zusagen entlasten, sagte er. Für die Verlängerung sei ein Mehrfaches der finanziellen Mittel notwendig, als derzeit für 2029 und 2030 eingeplant seien. "Einfacher ausgedrückt: Das nötige Geld ist gar nicht da", so Werding. Auch die Ausweitung der Mütterrente gehöre "wieder auf den Verhandlungstisch".
Der Wirtschaftswissenschaftler wies dabei auch auf andere Perspektiven als die von älteren Menschen hin. "Niemand spricht davon, was man jüngeren Versicherten mit dem geltenden Rentenrecht zumutet und welche Risiken das derzeit für Arbeitgeber und die Beschäftigungsentwicklung erzeugt", sagte Werding. Auch von der alternden Gesellschaft und dem Auftrag seiner Kommission für Lösungen werde in der aktuellen Debatte nicht gesprochen./nkl/DP/stk