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Nato-General: Sind Russland militärisch klar überlegen

16.10.2026
um 10:13 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Der Oberbefehlshaber der Nato sieht das Militärbündnis Russland militärisch deutlich überlegen. "Unsere militärischen Fähigkeiten, die wir in einem Großkonflikt zum Einsatz bringen würden, übertreffen die Moskaus bei Weitem", sagte US-General Alexus Grynkewich dem "Spiegel". Moskau verfüge nicht über moderne F-35-Kampfjets, nicht über die Masse an modernen Zerstörern oder U-Booten, die die Nato habe.

Grynkewich sagte weiter, er sei sich sicher, dass Russland keinen großangelegten konventionellen Angriff auf Europa starten werde. "(Russlands Präsident Wladimir) Putin greift zu anderen Methoden, Sabotage zum Beispiel, weil er keine anderen Optionen hat." Putin wolle keinen direkten Konflikt. Das liege an der konventionellen Abschreckung. Diese müsse man aufrechterhalten, die Nato-Armeen modernisieren, viel üben und die Fähigkeiten beweisen.

"Müssen die Dinge beim Namen nennen"

Auf die Frage, ob der Begriff "Schattenkrieg" für die russischen Aktionen passend sei, sagte der Vier-Sterne-General dem "Spiegel" weiter: "Wir müssen die Dinge beim Namen nennen: Sabotage, Brandstiftung oder Terrorattacken sind präzise Begriffe, es gibt klare Antworten darauf. Das hybride Angriffe zu nennen, ist mir zu vage."

Zur Frage, ob man sich schon im Krieg mit Russland befinde, sagte Grynkewich: "Das ist das gefährliche Spiel von Wladimir Putin. Er will unseren Bevölkerungen einreden, dass es gefährlich ist, die Ukraine zu unterstützen, dass das in einem Krieg mit Russland enden könnte." Bisher verfange das zum Glück nicht.

Sorgen Moskaus um Kaliningrad seien unnötig

Angesichts jüngster Drohungen aus Moskau, dass die Isolierung oder gar ein Angriff auf die russische Exklave Kaliningrad einen Krieg auslösen würde, wiederholte Grynkewich, dass die Nato eine Verteidigungsallianz sei. Sie agiere nur, wenn man angegriffen werde. "Also muss sich Russland keine Sorgen um Kaliningrad machen."

Als Militär aber sehe er, dass Russland durch den Krieg in der Ukraine in Kaliningrad geschwächt ist. Gleichzeitig sei die Nato im Baltikum stärker geworden. "Die Lage dort ist militärisch ungünstig für Russland." Nato-Übungen an der Nato-Ostflanke seien Routine, und man achte darauf, dass sie nicht als Aggression interpretiert werden könnten.

Angriff auf Flughafen Leipzig: "Grenzüberschreitung"

Zum mutmaßlich von Russland gesteuerten Angriff auf den Flughafen Leipzig sagte Grynkewich, allein der Versuch sei eine Grenzüberschreitung gewesen. "Wäre der Angriff erfolgreich verlaufen, wären mehrere vollgetankte Antonows in die Luft gegangen, vermutlich hätte es Tote gegeben", so der General mit Blick auf die ukrainischen Frachtmaschinen, gegen die sich nach Erkenntnissen der deutschen Ermittler der Anschlagsversuch gerichtet hatte.

Angesichts der Wichtigkeit von Drohnen im Krieg in der Ukraine und im Iran erklärte der General, die Nato müsse in diesem Bereich rasch besser werden. "Wir benötigen massenweise Einwegkampfdrohnen, billigere Marschflugkörper und vieles mehr."/vee/DP/jha