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Weltweiter Kohlekraft-Ausbau trotz Klimazielen

20.10.2026
um 06:18 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Die Zahl der Kohlekraftprojekte ist trotz der angestrebten Energiewende und Klimaziele weltweit gestiegen. Nach Angaben der Umweltorganisation "Urgewald" kamen 2025 auf jedes zurückgestellte Kohleprojekt drei neue Vorhaben. Während im vergangenen Jahr demnach 76 geplante Kohleprojekte auf Eis gelegt oder gestrichen wurden, sind im gleichen Jahr 257 neue Kohleprojekte weltweit angekündigt worden.

"Anstatt zu schrumpfen, ist die Zahl der geplanten neuen Kohlebergbau-, -energie-, -chemie- und -infrastrukturprojekte inzwischen auf 1.510 angestiegen", kritisierte "Urgewald"-Experte Pacôme David-Mauduit, dessen Organisation in einer Datenbank ("Global Coal Exit List"/GCEL 2026) die Aktivitäten von Kohleunternehmen erfasst. Mehr als 40 Prozent der dort gelisteten Unternehmen entwickelten derzeit neue Kraftwerkskohle-Projekte.

"Umfassendste öffentliche Datenbank"

Die Liste ist den Angaben zufolge die umfassendste öffentliche Datenbank zu Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Kraftwerkskohle tätig sind. Die diesjährige GCEL umfasst demnach mehr als 1.500 Mutterkonzerne und 1.150 Tochtergesellschaften. Derzeit nutzen laut "Urgewald" 717 Finanzinstitute weltweit die GCEL, um ihre Finanzierung dieses Sektors zu überwachen und einzuschränken.

Ein besonderer Fokus der aktuellen "Urgewald"-Analyse liegt auf der Türkei, dem Gastgeberland der diesjährigen Weltklimakonferenz (COP31) im November. Außerdem auf Australien, das die Klima-Verhandlungen leiten wird.

Vor Weltklimakonferenz Gastgeber Türkei und Australien im Fokus

Während in weiten Teilen Europas Wind- und Solarenergie die Stromerzeugung aus Kohle inzwischen überflügelt hätten, hinke die Türkei hinterher, heißt es. Zusammen machten Solar- und Windenergie im Jahr 2025 dort lediglich 22 Prozent der Stromerzeugung aus. Kohle bleibe mit einem Anteil von 34 Prozent die dominierende Stromerzeugungsquelle des Landes. Der Großteil der in türkischen Kraftwerken verbrannten Kohle stamme aus Russland.

Australien wiederum sei das Land mit der weltweit drittgrößten geplanten Expansion von Kohleminenprojekten. Aktuell seien dort 49 neue Kohleminen oder Erweiterungen solcher Minen geplant. Die starke Minen-Expansion stelle die Führungsrolle des Landes bei der Weltklimakonferenz infrage. Australien sei zudem der zweitgrößte Kohleexporteur der Welt.

Die 31. UN-Klimakonferenz (COP31) findet vom 9. bis 20. November im türkischen Antalya statt. Die Türkei übernimmt als COP31-Präsidentschaft die Ausrichtung der Weltklimakonferenz, während Australien als Verhandlungspräsidentschaft die Verhandlungen führt. Beide arbeiten bei der Vorbereitung und Durchführung der COP31 eng zusammen.

Chinesen und Inder führende Entwickler und Produzenten

Der weltweit größte Entwickler von Kohlekraftwerken ist der Organisation "Urgewald" zufolge die staatliche chinesische China Energy Investment Group, die den Bau von 44 Gigawatt (GW) an neuer Kohlekraftwerkskapazität plane. Insgesamt seien chinesische Unternehmen für 70 Prozent der weltweit geplanten Kohlekraftwerke verantwortlich. An zweiter Stelle stehen demnach indische Unternehmen mit einem Anteil von 18 Prozent. Die restlichen 12 Prozent verteilen sich auf 33 Länder in der Welt.

Das staatliche indische Bergbauunternehmen Coal India wiederum ist der Umweltorganisation "Urgewald" zufolge sowohl der weltweit größte Kraftwerkskohleproduzent als auch der weltweit größte Entwickler von Minen für Kraftwerkskohle. Der Hauptsitz von "Urgewald" ist in Sassenberg in Nordrhein-Westfalen./sl/DP/zb