OTS: BNP Paribas Real Estate Holding GmbH / Retail-Markt mit bislang ...
Retail-Markt mit bislang stärkstem Quartal beim Flächenumsatz -
Großflächendeals, Center- und Kaufhausumstrukturierungen bleiben
Treiber
Frankfurt/Main (ots) - Das Retail-Marktsentiment ist wesentlich positiver und
vielschichtiger, als es die aktuellen Nachrichten aus dem Einzelhandelssektor
vermuten lassen. Das geht aus der Analyse von BNP Paribas Real Estate zu den
ersten drei Quartalen 2026 hervor.
Die aktuellen Schlagzeilen rund um die stationäre Einzelhandelslandschaft
verdeutlichen die komplexe Angebots- und Nachfragesituation auf dem
Vermietungsmarkt. So steht der Inditex-Konzern in den Startlöchern, um die
Weltstadthäuser von Peek & Cloppenburg neu zu bespielen und den innerstädtischen
Flächenumsatz maßgeblich weiter in die Höhe zu treiben. Darüber hinaus sind
zusätzliche Angebotsausweitungen durch die erneute Galeria-Insolvenz nicht
auszuschließen. Dies stellt Eigentümer, Vermieter und Städte zwar wieder einmal
vor große Herausforderungen, bietet aber auch das Potenzial, Raum für neue,
nachhaltige Konzepte in Citylagen zu schaffen. Dass ein Mieter nicht zwingend
weichen muss, damit ein anderer sich neu positioniert, zeigen die zunehmend zu
beobachtenden Kooperationen, die im besten Fall wichtige Synergieeffekte
freisetzen.
Ein Beispiel hierfür liefert der französische Sportspezialist Decathlon, der
inzwischen nicht nur in ehemaligen Galeria-Kaufhäusern, sondern als Teilflächen-
beziehungsweise Untermieter in mehreren Mediamarkt-Filialen oder wie demnächst
auch bei IKEA in Hamburg-Altona Platz findet. Während der eine Retailer
inzwischen deutlich weniger Fläche benötigt als noch vor fünf oder zehn Jahren,
ermöglichen es diese Konstellationen dem anderen Retailer, ganz neue Lagen für
sich zu erschließen. Optimalerweise profitieren beide Akteure sowie die
Innenstadt oder das Shoppingcenter von diesem Konstrukt.
Die wichtigsten Ergebnisse der BNP Paribas Real
Estate-Einzelhandelsmarktanalyse:
Innerstädtischer Retail-Flächenumsatz in Deutschland:
- 385.000 m² in Q1-3 2026 (ein Plus von 10 % ggü. dem fünfjährigen Durchschnitt)
- Allein in Q3 2026 150.000 m² (40 % des Gesamtvolumens bis Ende September)
- Rund 57 % des Flächenumsatzes in Q3 durch Vermietungen über 1.000 m²
Überblick über Shoppingcenter, ehemalige Kaufhäuser und die A-Standorte:
- Etwa 110.000 m² in Shoppingcentern, gut 50.000 m² in Ex-Kaufhäusern
- A-Städte mit rund 125.000 m² gut 20 % über dem fünfjährigen Durchschnitt
Mit rund 150.000 m² gehört Q3 2026 zu den umsatzstärksten der letzten fünf Jahre
Die bereits gute Vermietungsdynamik des innerstädtischen Retail-Markts während
der ersten Jahreshälfte hat sich im dritten Quartal sogar noch einmal
beschleunigt: Rund 150.000 m² der knapp 385.000 m² wurden zwischen Anfang Juli
und Ende September neuvermietet beziehungsweise -eröffnet, was einem Anteil von
fast 40 % des Gesamtvolumens entspricht. Damit liegt die aktuelle Bilanz nach
drei Quartalen gut 10 % über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.
Beachtliche 86.000 m² des sehr guten Q3-Resultats (anteilig fast 57 %) basieren
auf Großflächenvermietungen ab 1.000 m², was trotz der zahlreichen und teils
sehr umfangreichen Nachvermietungsprozesse im Anschluss an die Corona-Krise
belegt, dass der Markt immer noch verfügbare Einzelhandelsflächen in dieser
Kategorie hergibt.
Der Königsweg zwischen schneller Nachbesetzung und nachhaltigem Nutzungskonzept
Was aus der Perspektive der Neuvermietung positiv zu werten ist, veranschaulicht
jedoch auch die hohe Dynamik auf der Abgangsseite, wo dieselbe Fläche in einer
kurzen Zeitspanne teilweise mehrfach nachbesetzt werden muss. Anzuführen ist in
diesem Zusammenhang zum Beispiel die Karstadt-Immobilie auf der Frankfurter
Zeil, die zunächst das insolvente Modehaus Aachener übernahm. Darauf folgten das
Inditex-Brand Bershka und der Asia-Supermarkt Go Asia, und nach erfolgtem Umbau
sollen unter anderem TK Maxx und C&A einziehen. Bershka hat derweil eine neue
Shopfläche im Skyline Plaza gefunden, und Go Asia ist in die ehemalige
Depot-Filiale in der Kaiserstraße gezogen. "Diese Vermietungen stehen
stellvertretend für die enorme Schnelllebigkeit des Retailgeschäfts sowohl
bezogen auf die neuen Mieter als auch auf die Marktteilnehmer auf der
Abgangsseite. Wichtig ist hierbei immer, dass je nach Standort und Lage das
richtige Maß zwischen kurzfristiger Neubelegung und nachhaltigem Retail-Mix für
das entsprechende Nachnutzungskonzept gefunden wird. Der entscheidende Faktor
ist in der Regel die Länge des Vermarktungszeitraums. Dass sich das Warten auf
den oder die passenden Mieter auszahlen kann, hat die Vergangenheit
eindrucksvoll gezeigt", fasst Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Paribas
Real Estate GmbH und Head of Retail Services, das in vielerlei Hinsicht
dynamische Marktgeschehen zusammen.
Shoppingcenter reagieren mit neuen Nahversorgungs-, Fashion- und
Freizeitkonzepten
Neben den angesprochenen Vermietungen in ehemaligen Kaufhausobjekten, die mit
rund 50.000 m² erneut ein hohes Niveau erreichen, hat sich der
Transformationsprozess auch in innerstädtischen Shoppingcentern unvermindert
fortgesetzt. Mit rund 110.000 m² Flächenumsatz kommt die Sparte auf fast 30 %
des gesamten Vermietungsvolumens. Auch hier wurden im dritten Quartal sehr
umfangreich neue Ankermieter platziert, sodass über die Hälfte der gesamten
Vermietungsaktivitäten auf diesen Zeitraum entfiel. Mehrere Abschlüsse von New
Yorker (u. a. Mall of Berlin, Skyline Plaza, City Center Langenhagen), Kaufland
im Berliner Schloss-Straßen-Center (4.000 m²), Lager 157 in der
Ernst-August-Galerie in Hannover (2.500 m²), Smyths Toys in der Rhein-Galerie
Ludwigshafen (2.500 m²) sowie zunehmend die Integration neuer Freizeit-,
Entertainment- und Erlebniswelten (u. a. in Form des schwedischen
Leisure-Konzepts Boda Borg im Boulevard Berlin) verdeutlichen, wie vielfältig
sich das Branchenspektrum darstellt.
Fast alle Top-Märkte partizipieren mit guten Vermietungsergebnissen
Gleiches gilt für die sieben Top-Märkte, die sich sowohl gemessen an der Anzahl
der Vermietungen und Eröffnungen (rund 220 Deals) als auch am Flächenumsatz
(knapp 125.000 m²) im bisherigen Jahresverlauf jeweils rund 20 % über ihrem
fünfjährigen Durchschnittswert einordnen. Das Ranking wird unverändert von
Berlin angeführt, wo sich das Vermietungsvolumen in den innerstädtischen
Retail-Hotspots und den zentral gelegenen Shoppingcentern bis zum Ende des
dritten Quartals auf knapp 36.000 m² summiert. Viel Neues zu berichten gibt es
auch aus der Frankfurter Innenstadt (gut 20.000 m²), wo die wiederholten
Veränderungen im Mieterbesatz der Ex-Karstadt-Filiale (u. a. TK Maxx und C&A),
die zahlreichen neuen Konzepte im Skyline Plaza und die Veränderungen im
Luxusbesatz der Goethestraße für eine hohe Marktdynamik verantwortlich zeichnen.
Die vier Retail-Märkte Düsseldorf, Hamburg, Köln und München verbuchen mit
Flächenumsätzen von rund 13.000 m² bis 15.000 m² vergleichbare Ergebnisse, wobei
durchschnittlich knapp 30 Vermietungen/Eröffnungen pro Standort für lebhafte
Vermietungsaktivitäten sprechen. Mit rund 25 Deals und 11.000 m² bleibt aber
auch die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart weiter in
Schlagdistanz, während die beiden wichtigsten ostdeutschen Standorte Dresden und
Leipzig ebenfalls gute Resultate von rund 9.000 m² vermelden können. Abschlüsse
von expansiven Labels wie Uniqlo, Victoria's Secret, Stradivarius, Name it, Only
& Sons oder Coolblue unterstreichen, dass aktive internationale Konzepte abseits
der A-Städte zunehmend auch die Leipziger und Dresdener Einzelhandelslandschaft
ins Visier nehmen.
"Goldener Herbst" kommt Passantenfrequenzen zugute
Positive Signale sendeten zuletzt auch die Passantenfrequenzen, die im September
in den rund 50 regelmäßig von BNPPRE analysierten Einkaufsstraßen gut 0,8 %
höher ausgefallen sind als im Vorjahr (rund 48,2 Mio. potenzielle Kunden im
September 2026). Für Q1-3 wird ein gesamtes Passantenaufkommen von rund 681 Mio.
Personen (durchschnittlich rund 8,7 Mio. pro A-Lage) und damit im
Vorjahresvergleich eine sehr stabile Entwicklung verzeichnet (-0,7 %).
Angebotsstruktur dürfte die Flächenumsätze auch kurz- bis mittelfristig
ankurbeln
Wenn man Anfang 2026 noch den Eindruck hatte, dass sich die Dynamik im
Großflächensegment durch die umfangreichen Nachvermietungsprozesse der
vergangenen Jahre perspektivisch wieder verlangsamen müsste, wurde man in den
ersten neun Monaten eines Besseren belehrt: So sorgen neben den Schließungen von
Galeria-Objekten zunehmend auch Konsolidierungsmaßnahmen großer deutscher
Retail-Konzerne wie in erster Linie C&A, Peek & Cloppenburg beziehungsweise
Anson's für umfangreiche Angebotsausweitungen. Hinzu kommen weitere Treiber wie
die Geschäftsaufgaben großflächiger Textil-Kaufhäuser (z. B. Wormland) sowie
Verkleinerungen zur Filialoptimierung (z. B. MediaMarktSaturn oder IKEA), die
sich unmittelbar auf die Angebotssituation in Innenstadtlagen und
Shoppingcentern auswirken. "Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass
die guten Nachfrageimpulse internationaler Retailer auch zum Jahresende auf ein
entsprechendes Flächenangebot treffen. Aus heutiger Sicht erwarten wir für das
Gesamtjahr eine überdurchschnittliche Bilanz beim Flächenumsatz", prognostiziert
Scharf seine Einschätzungen für das Schlussquartal. Dennoch gilt es für die
neuen Mieter einmal mehr, sich im herausfordernden Wettbewerb des stationären
Einzelhandelsmarktes zu behaupten, um zukünftig nicht selbst zu einer weiteren
Ausweitung auf der Angebotsseite beizutragen.
Link zum interaktiven Dashboard mit aktuellen Marktzahlen:
https://www.realestate.bnpparibas.de/dashboards/retail-dashboard
Pressekontakt:
Chantal Schaum
Head of Public Relations
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