Merz beim Italiener statt Klimagipfel - Kritik von Neubauer
BERLIN (dpa-AFX) - Bundeskanzler Friedrich Merz reist am Mittwoch, seinem Geburtstag, nicht zum Weltklimagipfel, sondern geht mit Frau und Tochter in Berlin "schön zum Italiener" - diese Terminplanung des CDU-Chefs stößt bei der Klimabewegung Fridays for Future auf Kritik. Dass das Treffen Dutzender Staats- und Regierungschefs bei der UN-Konferenz in der Türkei ausgerechnet auf den 71. Geburtstag des Kanzlers falle, habe sicherlich niemand so geplant, erklärte Aktivistin Luisa Neubauer. Dennoch sei dessen Fernbleiben "das denkbar schlechteste Signal an die Weltgemeinschaft".
Unabhängig von seinen innenpolitischen Prioritäten habe auch Merz stets für sich in Anspruch genommen, Deutschland international als verlässlichen Partner, als vertragstreu und zukunftsgewandt darzustellen. "Alles davon wird mit seiner Bella Italia-Abwesenheit von den Klimaverhandlungen unterminiert. Es ist Deutschland nicht würdig und eine Beleidigung, insbesondere in Richtung der Staaten der Welt, die schon heute durch einen steigenden Meeresspiegel existenziell bedroht sind", erklärte Neubauer. Hoffnung werde in Sachen Klimakrise wieder woanders herkommen müssen.
Merz hatte laut "Westfalenpost" am Freitagabend gesagt, anstatt wie ursprünglich geplant an seinem 71. Geburtstag am Mittwoch in ein Konzert in der Berliner Philharmonie zu gehen, werde er nun mit seiner Frau und Tochter, die zu Besuch kommen, "schön zum Italiener" essen gehen. Dass er überhaupt Zeit zumindest mit Teilen seiner Familie verbringen könne - er hat einen Sohn und zwei Töchter und ist auch Großvater - sei "ein wunderbares Geburtstagsgeschenk", meinte der CDU-Chef. Vormittags stehe noch eine Kabinettssitzung an.
Am Mittwoch hatte ein Regierungssprecher in Berlin auch auf Nachfrage keine genauen Gründe für Merz' Absage genannt und lediglich gesagt, dass es "immer verschiedene Interessen und verschiedene Terminlagen" gebe.
Auf der UN-Klimakonferenz in Antalya beraten ab Montag zwei Wochen lang fast 200 Staaten darüber, wie die Erderhitzung eingedämmt und armen Staaten geholfen werden kann. Erwartet werden neben gut 70 Staats- und Regierungschef Zehntausende Diplomaten, Beobachter und Medienvertreter./yyzz/DP/mis