Reuters

Landesbank Baden-Württemberg streicht jede elfte Stelle

12.04.2016
um 15:31 Uhr

- von Andreas Kröner

Stuttgart (Reuters) - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) will effizienter werden und dabei in den kommenden Jahren rund 1000 Stellen streichen.

Das entspricht in etwa jedem elften Arbeitsplatz. Das Institut suche in allen Bereichen nach Möglichkeiten, um "noch schlanker und noch schneller zu werden", sagte Hans-Jörg Vetter am Dienstag bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz als LBBW-Chef in Stuttgart. Um die technischen Prozesse und die IT zu verbessern, will Deutschlands größte Landesbank bis 2020 rund 400 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Derzeit muss die LBBW laut Vetter rund sieben Euro einsetzen, um zehn Euro zu verdienen. Die sogenannte Cost-Income-Ratio liegt damit deutlich höher als bei den Konkurrenten BayernLB, NordLB und Helaba. Die LBBW wolle die Cost-Income-Ratio in den kommenden Jahren von den bisher 70 Prozent auf unter 60 Prozent senken, kündigte Vetter an. Dann könne das Stuttgarter Geldhaus auch das mittelfristige Gewinnziel von 600 bis 700 Millionen Euro vor Steuern gut erreichen.

Im vergangenen Jahr fuhr die LBBW einen Vorsteuergewinn von 531 Millionen Euro ein. 2016 erwartet sie wegen steigender Rückstellungen für faule Kredite und höherer IT-Ausgaben einen leichten Gewinnrückgang. Das erste Quartal sei im Kundengeschäft zwar gut gelaufen, sagte Vetter. Die großen Ausschläge an den Finanzmärkten hätten aber für Belastungen gesorgt.

GENUG GESCHRUMPFT

Vetters Amt als LBBW-Chef wird im November Rainer Neske übernehmen, der ehemalige Privatkundenvorstand der Deutschen Bank. "Ich halte ihn für einen hervorragenden Nachfolger", sagte Vetter. Von Juli bis Ende Oktober wolle er zusammen mit Neske Eigentümer, Kunden und Sparkassen besuchen. Vetter hatte die LBBW nach der staatlichen Rettung der Bank in der Finanzkrise übernommen. Er baute seitdem Risiken ab, stärkte den Kapitalpuffer der Bank und halbierte ihre Bilanzsumme nahezu auf 234 Milliarden Euro. Mit dem Schrumpfen soll nun aber Schluss sein. "Ab jetzt rechnen wir wieder mit einer steigenden Bilanzsumme aufgrund des geplanten Aufbaus unseres Kundengeschäfts." Mit deutschen Konzernen will die Bank etwa bei deren Aktivitäten im Ausland mehr Geschäfte machen.

Parallel kündigte Vetter den Abbau von 830 Vollzeitstellen bei der Privatkunden-Tochter BW Bank und bei der sogenannten Marktfolge an, allen voran bei der Bearbeitung von Krediten. Hier will die LBBW stärker auf automatisierte Prozesse setzen. Da es gerade im Privatkundengeschäft viele Teilzeitkräfte gibt, seien von den angekündigten Maßnahmen rund 1000 Mitarbeiter betroffen, sagte Vetter. Ende 2015 hatte die LBBW 11.120 Beschäftigte. Da sie auch in anderen Bereichen noch Arbeitsplätze abbauen will, gehen Insider davon aus, dass am Ende mehr als 1000 Vollzeitstellen wegfallen werden.

Verdächtigte Geschäfte einer Ex-LBBW-Tochter mit Briefkastenfirmen in Panama habe das Geldhaus schon vor einiger Zeit untersucht und seine Erkenntnisse an die zuständige Staatsanwaltschaft Köln weitergegeben, erklärte Vetter. "So weit ich weiß, wird gegen zwei Personen ermittelt."

Deutsche Bank AG

WKN 514000 ISIN DE0005140008