Reuters

Tesla-Chef Musk tritt bei neuer Fabrik in Mexiko auf die Bremse

19.10.2023
um 10:02 Uhr

Berlin/Bangalore (Reuters) - Tesla-Chef Elon Musk tritt angesichts wegbrechender Gewinne beim geplanten Bau einer neuen Fabrik in Mexiko auf die Bremse. "Wenn die makroökonomischen Bedingungen stürmisch sind, wird auch das beste Schiff in schweres Fahrwasser kommen", sagte Musk am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Noch vor einem Jahr hatte er Tesla als "Rezessions-resistent" bezeichnet. Auf die Frage, wie es mit dem im März angekündigten Werk im Norden Mexikos weitergehe, sagte Musk: "Ich bin gebrannt von 2009, als General Motors und Chrysler pleite gingen."

Musk reagiert damit auch auf die rückläufigen Margen bei dem Unternehmen. Tesla bekommt den selbst angezettelten Preiskrieg vor allem in China zu spüren. Die viel beachtete Gewinnmarge im Autogeschäft war mit 16,3 Prozent so niedrig wie seit mehr als vier Jahren nicht mehr. Bei Umsatz und Gewinn blieb das Unternehmen hinter den Erwartungen der Analysten zurück. An der Börse wurde das mit Verkäufen quittiert: Die Aktie verlor nach US-Börsenschluss rund fünf Prozent.

"HABEN MIT DEM CYBERTRUCK UNSER EIGENES GRAB GESCHAUFELT"

Auch beim mit Spannung erwarteten Cybertruck gebe es "enorme Herausforderungen", sagte Musk. So sei es schwierig, die Fertigung hochzufahren. "Wir haben mit dem Cybertruck unser eigenes Grab geschaufelt", sagte Musk. Das Fahrzeug soll ab Ende November ausgeliefert werden und den Modellen Rivian, Ford und GM am US-Markt Konkurrenz machen. Musk spricht von einer Million Kunden, welche das Fahrzeug bereits reserviert hätten. Jährlich sollen zunächst 125.000 Cybertrucks gefertigt werden, 2025 könne die Kapazität dann verdoppelt werden. Allerdings äußerten sich einige Analysten skeptisch zu den Aussichten für das Fahrzeug: "Ich gehe nicht davon aus, dass Tesla bei Produktion und Absatz auch nur annähernd in die Größenordnung von 125.000 Stück kommt", sagte Seth Goldstein, Aktienstratege bei Morningstar.

Musk machte die steigenden Zinsen für die schwächelnde Nachfrage verantwortlich, weil diese Autos deutlich verteuerten. So habe sich der Preis für die Käufer des Model Y kaum verändert, obwohl Tesla inzwischen deutlich weniger verlange - die höheren Finanzierungskosten seien der Grund. Der Elektroauto-Pionier nutzt seine Ertragsstärke, um sich mit Preissenkungen die Konkurrenz vom Leib zu halten. Vor allem in China gerät das US-Unternehmen unter Druck. Auf dem weltweit wichtigsten Markt hat der heimische Anbieter BYD inzwischen die Spitzenposition erobert. An seinem Produktionsziel von 1,8 Millionen Fahrzeugen für das laufende Jahr hält Tesla fest.

ELF PROZENT WENIGER UMSATZ PRO AUTO

Doch die Brutto-Gewinnmarge im Konzern ist mit 17,9 Prozent gut sieben Prozentpunkte niedriger als vor Jahresfrist, vor den Preissenkungen, und niedriger als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz legte insgesamt um neun Prozent auf 23,35 Milliarden Dollar zu, das ist das geringste Plus seit mehr als drei Jahren. Der Nettogewinn sank um gut ein Drittel auf 2,3 Milliarden Dollar. Je Fahrzeug erwirtschaftete das Unternehmen im Schnitt elf Prozent weniger Erlöse. "Die große Frage ist: Handelt es sich nur um einen Ausrutscher, oder ist es ein Anzeichen dafür, dass sich Verbraucher wegen der steigenden Zinsen und des schwächeren konjunkturellen Umfelds mit größeren Ausgaben zurückhalten", sagte Jesse Cohen, Analyst bei Investing.com.

Nach einer Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) ist Tesla weiterhin globaler Marktführer bei E-Autos mit einem Absatz von gut 1,3 Millionen Fahrzeugen, ein Plus von 46 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Auf den Fersen ist den Amerikanern Chinas größter E-Autobauer BYD mit gut einer Million Einheiten und damit 80 Prozent Wachstum. Der Volkswagen-Konzern liegt mit 530.000 Auslieferungen (plus 45 Prozent) auf Platz drei.

(Bericht von Christina Amann und Akash Sriram; Bearbeitet von Scot W. Stevenson und Christina Amann; Redigiert von Hans Seidenstücker.; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Tesla Inc.

WKN A1CX3T ISIN US88160R1014