NEW YORK (dpa-AFX) - Mit Blick auf den Technologiesektor halten sich die Investoren an den US-Börsen am Mittwoch weiter zurück. Von einer Erholung gab es im frühen Handel beim Nasdaq 100 , der am Vortag schon deutlich gefallen war, keine Spur. Anleger hinterfragen neuerdings, für welche Branchenunternehmen die Künstliche Intelligenz (KI) neben Chancen auch eine Gefahr bedeutet. Der technologielastige Index büßte zuletzt 2,13 Prozent auf 24.797,95 Punkte ein.
Am breiten Markt gab es nach einem freundlichen Start ebenfalls Verluste. Der S&P 500 gab zuletzt um 0,77 Prozent auf 6.864,85 Punkte nach. Der stärker auf Standardwerte fokussierte Dow Jones Industrial , verlor lediglich 0,01 Prozent auf 49.234,69 Zähler.
Portfoliomanagerin Stephanie Niven von Ninety One sprach von "wahllosen Verkäufen" bei gewissen Branchenwerten aus dem Software- und IT-Bereich. Es sei noch nicht abschließend geklärt, wie viel davon purer Angst geschuldet oder auch fundamental begründbar sei. Klar sei jedoch, dass es bei vielen Werten einen Vertrauensverlust gebe. Dieses Vertrauen müsse erst wiederhergestellt werden.
Unter den Dow-Werten erwischte der Ausverkauf vor allem die Aktien von Nvidia und IBM , die bis zu knapp vier Prozent einbüßten. Ihrem freien Fall gar nicht entkommen konnten die Aktien des App-Entwicklungsdienstleisters Applovin , die nochmals um knapp 14 Prozent abrutschten. Seit Weihnachten hat sich der Kurs des Unternehmens mittlerweile fast halbiert.
Auch im Gaming-Bereich machten sich zuletzt die Sorgen bemerkbar, dass die Künstliche Intelligenz bald die Branche aufmischen wird. Die Titel von Take-Two , setzten ihren Kursrutsch um fast fünf Prozent fort, obwohl im dritten Quartal deutlich die Erwartungen übertroffen wurden. Omar Dessouky von der Bank of America sieht hier eine klare Kaufgelegenheit vor der Einführung einer neuen Version des Kassenschlagers "Grand Theft Auto".
Dem Kursrutsch bei einigen Tech-Werten schloss sich AMD mit einem Einbruch um knapp 17 Prozent an, hier allerdings wegen individueller Nachrichten. Am Markt hieß es, die Umsatzprognose des Chipherstellers enttäusche die Anleger. Dies sei ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen nicht die von einigen erwarteten Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz erziele.
Ein Lichtblick waren US-Pharmawerte, die von Eli Lilly mit einem Kurssprung um mehr als neun Prozent auf fast 1.100 Dollar angeführt worden. Die Papiere näherten sich damit wieder dem Rekordhoch von 1.133,95 Dollar von Anfang des Jahres. Durch den Anstieg der Aktie kletterte der Börsenwert des Pharmakonzerns auch wieder über die Marke von einer Billion Dollar.
Anders als der europäische Konkurrent Novo Nordisk glänzten die Amerikaner im Wettkampf um Gewichtssenker-Produkte mit ihrer Prognose für 2026. Anleger werten dies als Indiz dafür, dass die Amerikaner den Europäern davonlaufen. Novo-Aktien waren am Mittwoch in Kopenhagen um 18 Prozent eingebrochen.
Aus dem Pharmabereich legten die Aktien von Amgen um acht Prozent zu. Das Biotechnologie-Unternehmen hat dank starker Verkäufe seiner Topmedikamente im abgelaufenen Quartal überraschend viel umgesetzt und verdient.
Für Aufmerksamkeit sorgte noch eine Übernahme: Texas Instruments will den texanischen Halbleiterhersteller Silicon Labs für 7,5 Milliarden US-Dollar kaufen. Das ließ dessen Kurs um fast 50 Prozent nach oben schnellen, während die Titel von Texas Instruments in dem schwachen Tech-Umfeld um gut zwei Prozent nachgaben.
Einen Kurssprung um ein Drittel konnten die Anleger von Enphase Energy feiern. Der Hersteller von Solar-Produkten wie etwa Wechselrichtern übertraf mit seinem Ausblick auf das erste Geschäftsquartal die Erwartungen und signalisierte einen Wendepunkt, was die Nachfrage betrifft - wohl auch unter dem Einfluss bald endender Steuervorteile./tih/he/zb