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Agrarhandels-Experten: Vorerst kein Preissprung im Supermarkt

24.07.2026
um 11:20 Uhr

BERLIN/HAMBURG (dpa-AFX) - Die steigenden Getreidepreise infolge des Krieges zwischen Russland und der Ukraine dürften aus Sicht von Agrarhandels-Experten vorerst keine Preissprünge bei Lebensmitteln auslösen. "Für Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung zunächst keinen unmittelbaren Preissprung im Supermarkt", heißt es beim Bundesverband Agrarhandel und Verein der Getreidehändler der Hamburger Börse.

"Hält das erhöhte Preisniveau jedoch über einen längeren Zeitraum an, können die zusätzlichen Kosten schrittweise an den Markt weitergegeben werden", sagte die stellvertretende Verbands-Geschäftsführerin Stephanie Kröger. Besonders betroffen wären demnach Produkte, in denen Getreide direkt oder indirekt über Futtermittel eine Rolle spiele, etwa Brot- und Backwaren, Fleisch- und Milchprodukte sowie verarbeitete Lebensmittel.

Preise können Bauern helfen - aber nicht automatisch mehr Gewinn

"Die Märkte preisen derzeit vor allem Unsicherheit ein", sagte Agrarhandels-Expertin Kröger. "Die Schwarzmeerregion bleibt für die weltweite Getreideversorgung so wichtig, dass bereits die Sorge vor Störungen ausreicht, um die Preise deutlich nach oben zu bewegen." Höhere Getreidepreise könnten Landwirten helfen, führten aber nicht automatisch zu höheren Gewinnen, weil auch die Kostenbelastung vieler Betriebe hoch bleibe.

Für die Verarbeiter und den Handel in Deutschland steigen dem Verband zufolge mit höheren Rohstoffpreisen auch die Beschaffungskosten. Betroffen seien unter anderem Mühlen, Mischfutterhersteller, Lebensmittelproduzenten sowie Tierhalter. Das erhöhe den Kostendruck entlang der Wertschöpfungskette.

Für die weitere Entwicklung wird laut Kröger entscheidend sein, ob die Handelsströme aus der Schwarzmeerregion weitgehend aufrechterhalten werden können. Solange die geopolitische Unsicherheit anhalte, bleibe der Markt anfällig für deutliche Preisschwankungen. "Eine dauerhafte Versorgungskrise zeichnet sich derzeit zwar nicht ab, die Volatilität an den Märkten dürfte jedoch hoch bleiben", sagte die Expertin.

Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine treibt die Getreidepreise aktuell in die Höhe. Grund ist eine mögliche längere Unterbrechung der Handelsströme aus beiden Ländern. Neben den Weizenpreisen steigen auch die Maispreise.

Eine Blockade nicht nur des ukrainischen, sondern auch des russischen Schiffsverkehrs im Schwarzen Meer könnte die Getreidepreise weiter antreiben. Über das Asowsche Meer gehen etwa 25 Prozent der russischen Getreideexporte. Bei Weizen haben Russland und die Ukraine einen Anteil an den weltweiten Exporten von 25 bis 30 Prozent, bei Mais etwa elf Prozent./sl/DP/jha