FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax ist am Donnerstag mit dem Start in den Monat Oktober zeitweise wieder unter die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten gerutscht. Inflationssorgen, die tags zuvor hochgekocht waren, wurden im Handelsverlauf durch erneut kräftig steigende Ölpreise befeuert. Das wiederum weckt zunehmend Sorgen vor steigenden Leitzinsen.
Zugleich fielen die Kurse zahlreicher Staatsanleihen weiter und trieben damit die Renditen weiter nach oben, was für Aktien auch von dieser Seite kräftiger Gegenwind bedeutet. "So steigen die Finanzierungskosten für Unternehmen, und gleichzeitig werden Anleihen als Anlagealternative attraktiver", erklärte Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets. "Mit jeder neuen Verkaufswelle am Anleihemarkt wächst der Druck auf den Dax", sagte auch Marktbeobachter Jochen Stanzl von der Consorsbank.
Zur Mittagszeit gab der deutsche Leitindex um 0,7 Prozent auf 25.033 Zähler nach. Am Vormittag war er noch zeitweise in Richtung 24.800 Punkte auf den tiefsten Stand seit Ende Juli abgesackt. Tags zuvor hatten hohe Inflationszahlen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern für Verluste gesorgt, sodass der Dax den September mit insgesamt 4 Prozent Verlust abschloss. Der MDax der mittelgroßen Werte sank am Donnerstag um 1,1 Prozent auf 30.515 Punkte.
Die nachbörslich berichteten starken Quartalszahlen des US-Speicherchipherstellers Micron halfen dem Dax nicht. Micron hatte ein weiteres Rekordquartal gemeldet und obendrein einen optimistischen Ausblick gegeben, die Aktie gab jedoch im vorbörslichen US-Handel zuletzt nach. Infineon legten im Dax um 1,3 Prozent zu und im MDax stiegen Elmos um 1,0 Prozent.
Die Aktie des Autozulieferers Continental legte im Dax um 0,8 Prozent zu. Letzte Signale des Managements vor der wegen der Quartalszahlen Anfang November anstehenden Schweigeperiode waren positiv ausgefallen. So hält UBS-Analyst David Lesne eine Aufstockung der Gesamtjahresziele für möglich, wie er schrieb. Das dritte Quartal dürfte stark ausgefallen sein und den operativen Ergebniskonsens übertreffen. Die Trennung von ContiTech dürfte ihm zufolge um den Jahreswechsel herum finalisiert werden.
Fresenius gaben um 1,6 Prozent nach. Der Medizin- und Krankenhauskonzern will seine Biopharma-Tochter mAbxience komplett übernehmen. Für die übrigen Anteile im Umfang von 45 Prozent zahlt er bis zu 750 Millionen Euro.
Vonovia verloren im Dax 1,8 Prozent und auch Immobilienwerte aus dem MDax und SDax gaben um die zwei Prozent und mehr nach. Allesamt litten unter dem kräftigen Anstieg der Anleiherenditen.
Renk büßten 2,9 Prozent ein und gaben damit den vierten Tag in Folge nach. Diesmal litten sie unter einem negativen Analystenkommentar der Bank of America, die ihre Kaufempfehlung für die Rüstungsaktie gestrichen hat. Analyst David Holmes geht davon aus, dass die Getriebeproduktion auf dem aktuellen Niveau nicht zu halten ist. Das limitiere das langfristige Bewertungspotenzial trotz des attraktiven Servicegeschäfts, schrieb er.
Für Hensoldt dagegen bekräftigte Holmes sein Anlageurteil "Buy" und nahm das Papier des Anbieters von Verteidigungs- und Sicherheitselektronik zudem auf eine "Best Ideas"- Liste der Bank auf. Diese Aktie war mit plus 1,4 Prozent MDax-Favorit./ck/jha/
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---