Reuters

Bilfinger sortiert sich neu und will ab 2018 wachsen

14.02.2017
um 15:26 Uhr

- von Ilona Wissenbach

Mannheim (Reuters) - Der kriselnde Ingenieurdienstleister Bilfinger soll mit strafferen Strukturen und strenger Kostenkontrolle zurück in die Erfolgsspur finden.

"Wir müssen die vielen Firmen, die oft Überschneidungen haben und die gleichen Kunden mit verschiedenen Visitenkarten ansprechen, auf einen Nenner bringen", sagte Bilfinger-Vorstandschef Tom Blades am Dienstag in Mannheim. Gut ein halbes Jahr nach seinem Antritt stellte der Ingenieur einen Plan vor, das nach der Abtrennung der Bau- und Immobiliensparte noch verbliebene Industrieservicegeschäft neu zu ordnen. Nach drei Jahren Talfahrt will Blades dieses Jahr den Mannheimer Konzern stabilisieren. Bis 2020 will er wieder eine operative Rendite von fünf Prozent erwirtschaften - ein Wert, der zuletzt 2013 erreicht wurde.

An der Börse kam unterdessen vor allem gut an, dass Bilfinger in diesem Jahr nach dem Ausfall 2016 wieder eine Dividende von einem Euro zahlen will und Aktienrückkäufe im Volumen von 150 Millionen Euro ankündigte. Der MDax-Titel, in den vergangenen Jahren von zahlreichen Gewinnwarnungen und Führungskrisen gebeutelt, legte um fast fünf Prozent zu. Die Aktionäre - so auch Großaktionär Cevian, Finanzinvestor aus Schweden - bekommen so etwas vom Konzerngewinn ab, den der Verkauf des Bau- und Immobiliengeschäfts eingebracht hatte. In diesem Jahr soll der Umsatz weiter schrumpfen, aber nicht mehr zweistellig wie 2016.

Bilfinger steckt seit drei Jahren in der Krise, da die Nachfrage nach Ingenieurdiensten für Kunden im Energiesektor und der Chemieindustrie mit der Energiewende und dem Ölpreisrückgang rapide sank. Auch bestand das als Baukonzern groß gewordene Unternehmen durch Zukäufe aus Hunderten Firmen, die ein Eigenleben mit vielen Doppelstrukturen führten. Wie Finanzvorstand Klaus Patzak erklärte, soll die Zahl der Firmen von derzeit noch rund 240 bis 2020 auf 160 reduziert werden. Verlustreiche Projekte sollen künftig durch mehr Kontrolle verhindert werden.

Von rund 20 Gesellschaften, vorwiegend aus dem kriselnden Kraftwerksgeschäft, will sich Bilfinger noch trennen. Sie machen bisher etwa 500 Millionen Euro Umsatz aus, rund zwölf Prozent der Jahresleistung von zuletzt 4,2 Milliarden Euro (minus 16 Prozent gegenüber Vorjahr). Ein Dutzend von ihnen ist defizitär und soll verkauft oder geschlossen werden. Ein halbes Dutzend sind Ertragsperlen, die mit Gewinn verkauft werden sollen.

ZENTRALE SOLL SCHRUMPFEN

Ab 2018 will Blades den Umsatz jährlich um fünf Prozent steigern - und damit stärker wachsen als der einschlägige Markt des Ingenieurdienstleisters. Künftig soll Bilfinger aus zwei Sparten bestehen: dem Industrieanlagenbau und der Instandhaltung von Anlagen. Hier sieht der ehemalige Linde-Manager und Energieexperte Blades viel Potenzial. Die Anzahl der Anlagen weltweit steige, werde immer komplexer und die Nutzung immer länger. "Wir bündeln unsere eigenen Stärken sehr viel effektiver, um von dieser Entwicklung zu profitieren", erklärte Blades. Er will auch anders als sein Vorgänger Per Utnegaard keinen Rückzug aus dem Nahen Osten und Nordamerika.

Analysten begrüßten das Konzept des neuen Managements. Das Unternehmen versuche schon länger, seine Prozesse zu verbessern, erklärte Jasko Terzic von der Privatbank Metzler. Blades kenne sich beeindruckend gut mit der Branche aus. "Der neue CEO scheint sein Geschäft zu kennen, das ist ein Schritt nach vorne." Doch sei es für ein Urteil noch zu früh. Auch Thorsten Reigber, Analyst von der DZ Bank, blieb vorsichtig. "Das Mittelfristziel wirkt ehrgeizig - aber Bilfinger hat noch einen weiten Weg vor sich."

Bilfinger SE

WKN 590900 ISIN DE0005909006