Reuters

Verfassungsschutz warnt vor zunehmender Radikalisierung via Internet

22.02.2017
um 11:26 Uhr

Berlin (Reuters) - Verfassungschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung möglicher Attentäter im Internet.

Es gebe eine Reihe von Fällen, in denen die Radikalisierung in sozialen Netzwerken begonnen und in WhatsApp-Gruppen fortgesetzt worden sei, sagte Maaßen am Mittwoch beim Europäischen Polizeikongress in Berlin. Im Cyberraum etablierten sich etwa islamistische Moscheegemeinden, von denen man in der realen Welt allenfalls etwas mitbekomme, weil Personen ihr Verhalten änderten. Attentäter würden via Internet bis zur Tatausführung von außen regelrecht "gecoacht" durch einen Mentor, der bis zum Schluss Weisungen gebe.

Seine Behörde zähle inzwischen 1600 Personen zum "islamistisch-terroristischen Personenpotenzial", sagte Maaßen. Es seien nicht mehr allein die USA bedroht, "sondern Westeuropa ist in erster Linie im Fokus und hierunter auch Deutschland". Eine Gefahr gehe unter anderem von Kommandos aus, die nach Deutschland kämen, um einen Anschlag zu verüben. Oft kämen die Täter aus Syrien und verfügten über Erfahrung im Kampf und in der Herstellung von Sprengsätzen. "Terrorkommandos bestehen aus Personen, die im Zweifel wesentlich professioneller mit einer Kalaschnikow umzugehen wissen als Schutzpolizisten hier in Berlin", sagte Maaßen.

Von 15 Anschlägen in Europa in den vergangenen zwei Jahren gingen aber lediglich drei auf solche Kommandos zurück. Die anderen - darunter die fünf Anschläge in Deutschland im vergangenen Jahr - seien ausgeführt worden von Einzeltätern oder Kleinstgruppen, in denen sich Einzeltäter zusammengeschlossen hätten.

Maaßen sagte, die Behörden erhielten täglich bis zu vier konkrete Hinweise auf Taten in Deutschland. Aus der Bevölkerung seien 2016 allein über die Telefon-Hotline 1104 Hinweise auf mögliche Anschlagsplanungen eingegangen nach 520 im Vorjahr.

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