NEW YORK (dpa-AFX) - Nach dem jüngsten Kursrutsch bei Technologieaktien gibt es am Freitag an den US-Börsen in der Breite einen Stabilisierungsversuch. Unternehmen aus klassischen Branchen hatten zuletzt besser dagestanden, und so konnte der Dow Jones Industrial mit seinen Gewinnen ein erneutes Rekordhoch verbuchen. Gegen Ende der ersten Handelsstunde bewegte sich der US-Leitindex mit 1,6 Prozent im Plus bei 49.703 Punkten. Er begab sich damit auf Tuchfühlung zur 50.000-Punkte-Marke.
Der marktbreite S&P 500 stieg am Freitag um ein Prozent auf 6.869 Zähler. Der Nasdaq 100 , der den Tech-Sektor am stärksten abbildet, stand zuletzt 0,9 Prozent höher bei 24.758 Punkten. Der Anstieg blieb aber anfällig für Schwankungen, zumal der Index von deutlichen Kursverlusten beim Schwergewicht Amazon gebremst wurde. Bei manch anderen Tech-Werten wagten erste Schnäppchenjäger, nach dem jüngsten Ausverkauf zuzugreifen.
Anders als noch über weite Strecken der vergangenen Jahre versuchen die Anleger neuerdings stärker potenzielle Gewinner und Verlierer des KI-Booms zu unterscheiden. Zudem hinterfragen sie immer häufiger milliardenschwere Investitionen in den neuen Megatrend. Nach Alphabet und Meta , die am Freitag beide deutlich nachgaben, ist Amazon der nächste Großkonzern, bei dem diese erst einmal überhaupt nicht gut ankommen. Die Titel des Handelsriesen sackten um mehr als acht Prozent ab.
Amazon übertrifft bei den geplanten Investitionen seine ausgabefreudigen Tech-Rivalen und will in diesem Jahr rund 200 Milliarden US-Dollar in KI, Chips, Robotik und Satelliten stecken. Dies half umgekehrt bei der Erholung einiger Aktien, die als Infrastruktur-Ausrüster von solch üppigen Investitionen profitieren könnten. So legten Broadcom und Nvidia um mehr als fünf Prozent zu.
Die wieder anziehende Risikobereitschaft zeigte sich auch bei der Kryptowährung Bitcoin, die nach dem zuletzt freien Fall um neun Prozent zulegte. Davon profitierten der Krypto-Investor Strategy mit einem Kurssprung um 16 Prozent und die Handelsplattform Coinbase mit einem Anstieg um acht Prozent.
Für die Papiere des US-Telemedizin-Anbieters Hims & Hers Health ging es um acht Prozent nach unten, nachdem FDA-Kommissar Marty Makary erklärt hatte, die US-Arzneimittelbehörde werde rasch gegen Unternehmen vorgehen, die illegale Nachahmerprodukte im Bereich der Abnehmmedikamente massenhaft vermarkten und behaupteten, diese seien mit von der FDA zugelassenen Produkten vergleichbar. Als Hersteller solcher Originale erholten sich die Aktien von Eli Lilly um 1,6 Prozent.
Doximity brachen um 26 Prozent ein. Das auf Anwendungssoftware im Gesundheitswesen spezialisierte Unternehmen gab einen Ausblick ab, der als enttäuschend angesehen wurde. Die Evercore-ISI-Analystin Elizabeth Anderson schränkte allerdings ein, es handele sich um eine Wachstumsverzögerung, keine strukturelle Beeinträchtigung. JPMorgan stufte die Aktie auf ein neutrales Votum hoch./tih/he